Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 143)
- Language
- German
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1Ö5 ein Mensch auf ewig verkauft werden kann, wie etwa Grund und Boden auf ewig veräussert werden dürfen. Grund und Boden sind das unveräusserliche Eigentum Gottes, dem Menschen nur zur Benutzung überantwortet. Dieser Grundsatz ist in dem Schriftwort ausgesprochen : ״Und das Land soll nicht verkauft werden zum Verfallbesitz•, denn mir gehört die Erde. Denn nur Fremdlinge und Beisassen seid ihr mir gegenüber.“ Und derselbe Grundsatz gilt bezüglich der Menschen, wenn die Schrift sagt: ״Wahrlich meine Knechte sind die Kinder Israels. Sie sollen nicht verkauft werden den Verkauf eines Sklaven^“ Demgemäss konnte ein Einheimischer als Sklave sich zunächst nur für sechs Jahre verkaufen; im siebten Jahre wurde er frei. Bei seiner Entlassung musste der Herr ihn mit reichen Geschenken beladen, die ausreichend waren, eine eigene Existenz zu begründen, damit er nicht von neuem in den Schuldkerker wandern müsse und in die Sklaverei versinke. Und hier wird dem Herrn dieses soziale, gerechte und liebevolle Empfinden besonders durch eine doppelte Erwägung nahe gelegt und eingeschärft. Einmal solle der Herr erwägen, dass der Sklave ihm sechs Jahre gedient hat und jedenfalls hei Tag und bei Nacht ihm zu dienen bereit sein musste. Es ist also eine Erwägung der Billigkeit. Und dann bat dein Gott bei deinem ganzen Volk nach demselben Gesetze verfahren, als er dich aus Ägypten führte. Er sorgte dafür, dass die Ägypter euch mit reichen Geschenken bedachten, so dass ihr in der Wüste nicht darbtet und nicht als Arme einzuziehen brauchtet in euer Land. Die Behandlung der Sklavin wollen *wir noch gesondert betrachten. Es ist aber auch denkbar, dass ein Sklave tatsächlich so wenig Sinn für das köstliche Gut der Freiheit besass und darum ein ruhiges Wohlleben ohne Sorge der Freiheit vorzog und deshalb aus dem Hause seines Herrn nicht auszuziehen wünschte. Das Beispiel der Kinder Israels in der Wüste, die um der ersehnten Fleischtöpfe Ägyptens willen lieber wieder dorthin zurückgezogen wären, ist ja bekannt genug. Diesem Sklaven .wurde mit einem Pfriemen das Ohr an den Türpfosten gebohrt, zum Zeichen, dass er ein Höriger sei, dass er zum Hause gehöre. Das Durchbohren des Ohres wird von den Weisen als Strafe gedeutet für den mangelnden Freiheitssinn, der das Wort Gottes überhört: ״Mir