Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 141)
- Language
- German
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103 za verleihen, heisst es an einer anderen Stelle noch besonders: ״Sechs Tage magst du deine Arbeit tan, und am siebten Tag rnbst du, damit ruhe dein Ochs und dein Esel, und damit sich erhole der Sohn deiner Sklavin und der Fremdling.“ Dass der soziale Sinn des Judentums, der Sinn der Gerechtigkeit und Liebe, wie hier bei der Sabbat-Ruhe, sich auch bei anderen Geboten auch auf die Tiere, die Kreatur erstreckt, ist zweifellos und die Versuchung liegt nahe, auch auf dieses Gebiet abzuschweifen. Allein es genüge der Hinweis auf diesen Satz, der die Sabbatruhe des Israeliten als Mittel zum Zweck der Ruhe der Tiere hinstellt, der die Ruhe der Tiere also als Selbstzweck erklärt, um auch nach dieser Richtung den Geist einer Lehre zu kennzeichnen, die in ihrer Literatur den Satz aufzuweisen hat: ״Der Gerechte achtet auf die Empfindungen seines Viehes; das Herz des Frevlers aber ist grausam.m Ganz besonders möge noch im Text des vierten Gebotes und auch sonst noch auf das vielsagende Wort ויגפש hingewiesen werden, das nichts anderes bedeutet, als eine andere Seele bekommen. Der Ausdruck steht in der Bibel sowohl von Gott, da er *am Sabbat nach der Weltcn-Schöpfung ruhte, als auch vom Menschen, der ruhen soll. Der Mensch soll durch die Sabbatruhe eine andere Seele, eine neue Seele bekommen, er soll am Sabbat vor allem seiner Seele leben. Die Sabbatruhe 8011 der Jungbrunnen seiner Seele sein. Dieses Wort ist eine herbe Kritik für die vielfach beliebte Sabbat- und Sonntagsruhe in unseren Tagen. Von selbst führt die Betrachtung der sozialen Einrichtung des Sabbats uns hinüber zu dem Institut der Sklaverei, da wir ja hören, dass selbst der Sklave am Sabbat ruhen musste, dass demgemäss die Sklaverei im Judentum nie eine vollständige, eine wirkliche gewesen sein kann, wenn der Sklave mindestens alle Woche ein Mal sich als einen Freien fühlen konnte, gleichgestellt war und gleichgestellt sein sollte seinem Herrn und seiner Gebieterin. Die Sklaverei war eine Einrichtung der alten Zeit, mit der die Thora zunächst sich abfinden musste, die sie aber nicht aufheben durfte, da sonst Israel wiederum ins Hintertreffen geraten wäre. Alle Kriegsgefangenen wurden in jener Zeit zu Sklaven gemacht. Was hätte es genützt und welchen Sinn hätte es gehabt,