Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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101 anderen die gewerbsmässigen Besucher des Totalisators, die Wettenden au! Taubenflüge, die Würfelspieler, alle insoweit sie nur diesen Beruf und keinen weiter sonst haben. Im Zusammenhang mit dem Zinsverbot, das bekanntlich sowohl für den Gläubiger, wie für den Schuldner gilt, ist noch eine Bemerkung zu machen. Das Verbot, Zinsen zu geben, wird in der Form des Hiphil des Zeitworts ״ נשךbeissen“ in der Thora gegeben. Es heisst also wörtlich: ״Du darfst einen anderen dich nicht beissen lassen״ d. b.: du darfst ihm keinen Zins geben. Als Gegensatz steht alsdann: ״dem Fremden darfst du Zins geben“ (d. h. wörtlich: von ihm darfst du dich beissen lassen). Mangelnde Sprachkenntnis und antisemitische Bosheit haben aus diesem gewiss sehr harmlosen Gegensatz auch eine Waffe gegen das Judentum schmieden wollen, in dem man übersetzte: ״dem Fremden darfst du Wucherzinsen abnebmen.“ Das ist ebenso falsch, wie nieder• trächtig. Es handelt sich in diesem Satz nicht vom Zinsennehmen, sondern vom Zinsgeben. Von Wucher ist in diesem Satz überhaupt nicht die Rede und welcher Christ würde daran Anstoss nehmen, dass der Jude ihm Zinsen geben darf? Dass das Verbot, Zins zu nehmen, nicht auch dem Nichtjuden gegenüber gilt, ist selbstverständlich, weil ein solches Verbot, sollte der Jude nicht wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten, gegen• seitig sein musste, und das ist es natürlich nicht. Der strengste Anhänger der Kirche braucht kein Bedenken zu haben, von einem Juden Zinsen zu nehmen. Wir berühren nun einen anderen Punkt, der in unserer Zeit in weitestem Umfange und in allen Kreisen, vor allem in den Kreisen der Bediensteten und Angestellten, das regste Interesse auslöset. Es ist das die allgemeine Sonntagsruhe. Die Sonntagsruhe ist die Schwester, besser gesagt, das Kind der Sabbatruhe, die die Welt der Bibel verdankt. Wie es mit dem babylonischen Sabbat bestellt ist, der den Juden die Priorität dieser sozialen Einrichtung streitig machen soll, davon in diesem Zusammenhang zu sprechen, würde zu weit führen. Bekannt aber ist bereits allgemein, dass der babylonische Sabbat ein Trauertag war, dem Unglücksgestirn des Saturn geweiht, der nicht allwöchentlich wiederkehrte, sondern an bestimmte Monatsdaten gebunden war. Ja, die Haupterrungenschaft der sozialen Fürsorge in der Gegenwart