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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1924-01-01 · XVI. (1924) · page 134

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVI. (1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 134)
Language
German
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96 18t, die Quelle, aus der allein der soziale Geist des Judentums unverfälscht hervorqillt. Aber noch müssen wir in Hilleis zweitem Satz die Worte besonders unterstreichen und betonen: ״Liebe den Frieden und jage ihm nach!“ Der Friede ist natürlich die fundamendalste Forderung sozialer Pflichtauffassung und Gerechtigkeit. Soziale Gerechtigkeit und soziale Liebe sind die Mittel, um ihn zu erreichen, sodass wiederum ein Lehrer des Judentums den Satz aufstellt: ״Auf drei Dingen steht die Welt: auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden״. Dieser Satz könnte nun als nicht ganz logisch gedacht angesehen werden, und zwar insofern, als Gerechtigkeit und Frieden keine koordinierten Begriffe sind, sondern zu einander in einem ursächlichen Verhältnis stehen. Die Gerechtigkeit begründet den Frieden. In der Tat hat auch derselbe Mischnah Lehrer diese Kritik selbst gefühlt und zu seinem Satz als dessen Quelle ein Wort des Propheten Secharjah hinzugefügt, in dem es heisst: ״Nach Wahrheit und Recht des Friedens, d. h. die den Frieden begründen, richtet in eueren Toren!״ Eine Gerechtigkeit z. B., die in Rechthaberei ausartet, stört den Frieden. Die oben erwähnte Stelle aus dem 10. Kapitel des Deuteronomium hat uns gezeigt, dass wir in Gott selber das Vorbild der idealsten, selbstlosesten sozialen Fürsorge zu erblicken haben, in ihm, der für Recht und Gerechtigkeit für alle ohne Unterschied, besonders aber für die Unterdrückten eintritt, der gleichmässige Liebe für alle, vor allem ab#r für die am stiefmütterlichsten behandelten Menschenkinder, die Fremden, übt und darum auch von seinen Menschenkindern verlangt. Nun fragen wir: In welchen Ausdrücken rühmen wir Gott, wenn wir tagtäglich* in den heiligsten Gebeten uns an ihn wenden? Wir sprechen von ihm hauptsächlich in Attributen sozialer Gesinnung. Wir sprechen von ihm als von dem סומך נופלים - der Stütze der Fallenden. Wir wenden uns an ihn als den ־־ זוקף כפופים den Aufrichter der Gebeugten. Wir flehen ihn an als den רופא חולים * den heilenden Arzt der Kranken. Wir rühmen ihn als den מתיר אסורים - den Befreier und Erloser der Gefesselten. Wir beten zu ihm als dem ־־ מצמיח ישועה dem Erzeuger jeglicher Hilfe, der emporwachsen lässt die Hilfe.

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