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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1924-01-01 · XVI. (1924) · page 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVI. (1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
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IRI
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82 Von dem fünften will eine Familienüberlieferung seines Enkels1) wissen, dass er in Frankfurt ״Hörer der Medizin“ gewesen sei. Sie berichtet: ״In Santomischel (Posen) wurde früher das Branntweingewerbe erfolgreich betrieben. In einer solchen Brennerei, in der mein Grossvater das Gewerbe lernte, brach Nachts ein grosses Feuer aus und zerstörte sämtliche Gebäude. Nach diesem Brande wurde der junge Brenner nicht gefunden, und alle Welt glaubte, er sei verkohlt. Nach einer langen Reihe von Jahren fanden Santomischeler Juden, die zur Frankfurter Messe waren, dort den jungen ״Brenner“ wieder und zwar als Hörer der Medizin. Von seinem Vater nachhause geholt und, um ihn sicher festzuhalten, verheiratet, verschwand er bald wieder und tauchte nach Jahren in Leipzig wieder auf. von wo er als fertiger Arzt nach Santomische! kam. Nach seinen Erzählungen scheint er den napoleonischen Feldzug nach Spanien als Arzt mitgemacht zu haben; er soll spanische Waffen gehabt und Kriegsgeschichten erzählt haben. Er hat eine Reihe von Jahren eine sehr ausgedehnte Praxis ausgeübt, z. B. von Santomischel bis über Kalisch hinaus. Als ich später nach auswärts in Pension kam, benutzte ich noch einen Koffer, welcher meinem Grossvater als Medizinkoffer gedient hatte und noch ganz intensiv nach Moschus roch. Der Arzt Meyer in Santomischel (ob er promoviert war, weiss ich nicht) war mein Grossvater von väterlicher Seite. Soviel ich weiss, war der Vorname meines Santomischeler Grossvaters Meyer ebenfalls Meyer (ob Vor- und Zuname verschieden geschrieben?). Und da mein Vater im Jahre 1868 im Alter von 66 Jahren starb, muss der Arzt, sein Vater, in grosspolnischer Zeit gelebt haben. Er ist jung gestorben... jedenfalls längere Zeit vor meiner Geburt (1836). Von den beiden in Frankfurt a. 0. inskribierten Meyers [oben 1782, 1797/8] dürfte keiner mein Grossvater gewesen sein. Es ist nicht ersichtlich wie er nach Halle bez. Jena vor der Inskription in Frankfurt gekommen sein soll. Ferner dürfte er wohl unter angenommem Namen gelebt haben, da er aus der Heimat geflohen sein soll. Vermutlich liegt er auf dem Friedhof in Santomischel begraben: den Grabstein habe ich nie gesehen“. Diesen Erzählungen kann die Kontrolle geschichtlicher Daten nicht zur Seite treten. *) Briefliche Mitteilungen dieses Enkels, des Geh. Medizinalrats Dr. Lissner-Kosten u. Berlin-Friedenau d. d. 24. Aug. 1911, 6. Dez. 1912, 29. Jan. 1916.

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