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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1924-01-01 · XVI. (1924) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVI. (1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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35 werden: Rudolf von Habsburg legte aus irgend einein Grunde1 2) den Juden am Rheine die ungeheure Summe von ungefähr einer Million Mark (in Goldmark von heute umgerechnet) als Steuer auf. Nach der einen Versiona) forderte er 20,000 (= 800,000 M.), nach der anderen 3) 23,000 920,000 =) ליטרא M.), nach einer dritten Leseart4) handelte es sich sogar um 30,000 (= 120,000 M.) und nach einer vierten Leseart5) wird uns die geforderte Summe ganzlieh verschwiegen. Um diese Steuern einzutreiben, ernannte der Kaiser unsern R. Meir aus Rothenburg zum Oberrabbiner des Reiches, der ihm wahrscheinlich für die pünktliche Bezahlung dieser unerhörten Forderung auch bürgen musste. R. Meir aber, der sich an die oben erwähnte strenge Verordnung des R. Tarn und seiner Genossen hielt, und der inbezug auf die s. Zt. von der Regierung willkürlich geforderte Eintreibung von Judensteuern oft zu sagen pflegte: ״wohl lehrt uns der Talmud, dass das Staatsgesetz als ein Religionsgesetz für uns zu gelten habe, jedoch nur das Staatsgesetz, nicht aber ein Staatsraub “ 6), entzog sich der ihm aufgezwungenen Würde und Bürde, indem er die Flucht ergriff7). Hierdurch ist es auch erklärlich, weshalb R. Juda b. Ascher zu seiner Zeit, wo von Seiten der Regierung derartige Ernennungen zum Reichsrabbiner gang und gäbe waren, im Stillen jedoch von Seiten der Juden ein Kampf gegen diese Ernennungen geführt wurde, den wahren Grund von R. Meir’s Flucht nicht schriftlich 1) Vgl. Wellesz, a. a. 0., 8. 53. 2) Annales Colmarienses, Böhmer, Fontes rernm Gennanic., Bd. 2, S. 72. 3) R. Meir aus Rothenburg, Rga.. ed. Prag, Nr. 241. 4) Chajim Or Sarua, Rga. Nr. 110; A. Freimann, Ascher b. Jechiel, Jahrbuch der JLG, Bd. XII, S. 247, Note 9. 6) Bei Chajim Or Sarua heisst es nämlich: גדול למלך DD הוצרכו ליתן ל4 אלף. M. Wiener, MGWJ 1863, S. 170 171, Note, ebenso Wellesz, a. a. 0., S. 54, lesen anstatt למלך ל, אלף richtig למלך רודאלף• Nach dieser Korrektur nennt Chajim Or Sarua gar keine Summe. 6) R. Meir a. R., Rga., ed. Prag, Nr. 134 ff. 7) Güdemanns Einwand (ibid. S. 109) inbezug auf die Ernennung des R. Meir a. R., das niemals irgend einem Rabbiner geistliche Autorität, sei es über andere Rabbiner oder über die Juden im Allgemeinen zu erkannt worden sei, ist nur dahin richtig zu stellen, dass, wie gesagt, unsere Geistes-Heroen niemal» von einer derartigen Ernennung Gebrauch gemacht haben. »*

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