Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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32 trauten Gemeinden kannten genau die wohlgemeinte Absicht des R. Jesaja und unterstützten ihn in seiner Hierarchie, durch die sie ihre Herzenswünsche in Erfüllung zu bringen hofften. 2. Der Kampf gegen die von der Regierung ernannten Rabbiner als Motiv der Flucht des R. Meir von Rothenbarg aas Deutschland. Obwohl die Frage nach dem Grunde von R. Meir’s Flucht aus Deutschland nicht streng zu' unserem Thema gehört, möchten wir dennoch uns hier mit der •Lösung dieser Frage befassen, nicht* nur um verschiedenes hierbei richtig zu stellen, sondern um unsere im letzten Abschnitte inbezug auf das Motiv des Streites zwischen R. Jesaja Astruc und R. Jochanan aufgestellte Behauptung mittelst Geschichtsparallelen, durch Analogien und Rückschlüsse aus jener Zeit, zu unterstützen, eine Methode übrigens, die von verschiedenen Historikern oft befolgt und als zulässig auerkaunt worden ist1). Wie Jost2) und Graetz3) behaupten, soll nämlich R. Meir aus Rothenburg vom Kaiser Rudolf zum ersten offiziellen Grossrabbiner des deutschen Reiches ernannt worden sein. R. Meir’s Flucht aus Deutschlaad ist, u. E., gewiss mit dieser Ernennung in Zusanmieghang zu briugen. Wenn auch die jüdischen Geschichtsquellen über R. Meir’s Ernennung zum Reichsoberrabbiner in hartnäckigem Stillschweigen verharren, so verlieren deshalb die betreffenden amtlichen Berichte nicht das mindeste von ihrer Glaubwürdigkeit. Denn gar manche Staatsurkundeu sind uns noch aufbewahrt geblieben, die von einer derartigen Ernennung berichten. So z. B. besagt eine Urkunde vom 3. Mai 1407, dass Kaiser Ruprecht von der Pfalz Israel von Krems zum ״Hochmeister über alle Rabbiner. Juden und Jüdinen des deutschen Reiches“ ernannt hat4). In den jüdischen Geschichte־ quellen jedoch kommt eigentümlicherweise über diese Auszeichnung, die einem Rabbiner zuteil wurde, nichts vor. l) Vgl. J. Erni, Über die älteste Geschichte der Stadt Biel, 1897, S. 74, Fussnote 2. und die hier angeführte Literatur. י) Geschichte des Judentums und seiner Sekten, Bd. 3, S. 58. ף Geschichte, Bd. 7״, S. 156. 4) Vgl. Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens, Bd. 3, S. 33 und die hier angeführte Literatur.