Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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23 suchen, aus den Geschehenissen jener Zeit das vermutlich wahre leitende Motiv des Streites zwischen R. Jesaja Astruc und R. Joehanan Provenzali herauszufinden. Wir glauben, dass der Kampf, der einige Jahrhunderte gegen die von der Regierung ernannten Rabbiner geführt wurde, die Ursache dieses Streites war. Ausserhalb des jüdischen Volkes wusste man nämlich sehr wohl, welches Ansehen der jüdische Gelehrte unter seinem Volke genoss, und seit uralter Zeit und selbst bis zum Anfänge des 19. Jahrhunderts wussten auch die verschiedenen Regierungen fast aller Länder, unter deren ßotmässigkeit Juden lebten, die Macht und Gewalt des jüdischen Gelehrten für sich in Anspruch zu nehmen Mit Hilfe dieser Autorität, verstanden sie das Volk zu zügeln. Zun! ersten Male tritt dies zu Esras Zeiten zu Tage, wo eine fremde Macht uns bevormunden wollte. In der königlichen Voll־ macht, mit der einst Esra ausgestattet wurde, heisst es: ״Du aber, Esra, nach der Weisheit Gottes, die du besitzest, setze Richter und Rechtsbeamte ein, die das ganze Volk jenseits des Stromes richten sollen . . . Gegen alle aber, die das Gesetz deines Gottes und das Gesetz des Königs nicht befolgen, ergehe schnell ein Urteil, es sei zum Tode oder zur Verbannung, zur Busse an Habe oder zur Haft“ (Esra 7, 25—26). Der König von Persien hat somit in kluger Weise seine von ihm angeordneten Staatsgesetze den göttlichen Gesetzen gleiehge־ stellt; ein Vergehen gegen das Staatsgesetz galt auch als ein Verbrechen gegen das göttliche Gesetz und wurde daher in gleicher Weis? bestraft. Durch die Sanktionierung der Staatsgesetze, für deren strenge Befolgung Esra und sein Gerichtshof stets wachen mussten, konnte der König von Persien die Zügel des ganzen Volkes leicht in Händen behalten. Diese Tatsache, die Machtbefugnis des jüdischen Gelehrten sich nutzbar zu machen, durchzieht wie ein roter Faden unsere ganze Leidensgeschichte, und wenn wir diesen schwerwiegenden Punkt im Auge behalten, werden wir gar manches Gesehiehtsrätsel leicht lösen können1). Dank der zu allen Zeiten unter den Juden herrschenden Solidarität, כל ישראל ערבים זה בזה, wurden sie auch von den Fürsten ג) Vgl. die beiden folgenden Abschnitte.