Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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15 2. Giidemann, gestützt auf eine Notiz bei Auerbach, sagt, dass R. Meir Halevys Ankunft in Wien vor 1365 erfolgte. Was Wunder, wenn ein findiger Kopf wie G. Wolf1) auf den Gedanken kam, R. Meir Halevys Institution mit der Gründung der Universität in Wien in Zusammenhang zu bringen! ״Fragen wir״, sagt Wolf2), ״was wohl R. Meir Halevy auf den Gedanken brachte, die Promotion der Rabbiner neuerdings einzuführen, die bis auf den heutigen Tag besteht, so glauben wir nicht zu irren, wenn wir annehmen, dass die Gründung der Universität in Wien mit die Veranlassung zu dieser Einrichtung war, an welcher ebenfalls Promotionen stattgefunden, und in solcher Weise sehen wir eine Neugestaltung des Rabbinerwesens von tief einschneidender Bedeutung, bei welcher die Gründung der Wiener Universität von Wichtigkeit war ... Es kann dies umsoweniger überraschen, wenn man bedenkt, dass in früheren Zeiten streng christliche Benennungen auf Juden und Judentum übertragen wurden, und es gab Judenbischöfe, Judenhochmeister etc.״ Wolfs Behauptung stellt Karpeles3) ohne Quellenangabe als feststehende Tatsache hin und sagt: ״Etwa zugleich mit der Einführung der Doctorpromotionen an der neubegründeten Wiener Universität führte auch der dortige Rabbiner R. Meir Halevy 1365 .die Promotion für Rabbiner durch den Titel Morenu ein, der nach mannigfachen Kämpfen als Norm für die spätere Zeit sieh allgemeine Geltung verschaffte״. 3. Ein Nachzügler von Wolf ist u. a. auch J. Gastfreund4), der sagt: ״Allerdings trifft die Vermutung Wolfs, dass die gerade zur Zeit Meir Halevys in Wien gegründete Universität Veranlassung gewesen sein mag, die Promotion der Rabbinen neuerdings einzuführen, vollständig mit der des'Abravanel (Leb5) Aboth zu Kap. 6) überein, der, als er nach Italien kam und die Semicha dort als eine beinahe hundert Jahre alte Institution fand, er sie für weiter ף Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität im Jahre 1865. 2) Daselbst S. 15. *) Geschichte der jüdischen Lit. 1921, Bd. I, S. 161. 4) Die Wiener Rabbiner, Wien 1879, S. 24. 5) Soll heissen Nachlath Aboth.