Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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13 sehr lange in Deutschland im Schwünge, in Prag noch im 15. Jahrhundert. Dem entsprechend ist es begreiflich, dass in Italien nnd in den angrenzenden oder naheliegenden Westländern mit ״Chacham״ der Titel ״Doctor״, in Deutschland aber mit ״Morenu״ der Titel ״Magister״ nachgeahmt wurde. Die Morenu hätte demnach als treue Übersetzung des Magistertitels etwa um 1270 in Süddeutschland, in Würzburg, wo R. Isaak Or Sarua (RIOS) einst residierte, und in Rothenburg ob der Tauber ihren Ursprung genommen und von da aus nach allen Landen sich verbreitet. Die Behauptung wird wohl nur zum Teil den Tatsachen entsprechen, nämlich dass der Morenutitel in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Deutschland als eine Nachahmung des aka- ״ demischen Magistertitels entstanden sei1). Die Vermutung aber, dass RIOS diesen Titel eingeführt habe, entbehrt jeder Begründung. Was sollte eigentlich ihn dazu bewogen haben, einen bis dahin unbekannten jüdischen Titel ins Leben zu rufen? Der Grund, dass man hiermit einen jüdischen Mägistertitel schaffen wollte, kann bei einem R. Isaak Or Sarua nicht massgebend gewesen seifö;; solch einem hervorragenden Manne in Israel dürfen wir mcht eiiM׳" der«' artige Nachäfferei zumuten. 6. Auerbach behauptet, wie bereits erwähnt, dass R. Meir Halevy aus Wien die Semicha erneuert und den Morenutitel eingeführt habe, und dass diese neugeschaffene Einrichtung die Ursache des zwischen R. Jesaja b. Abba Mari und dem Oberrabbiner von Frankreich ausgebrochenen Streites gewesen sei2). Diese Hypothese hat unter den neuern jüdischen Historikern den meisten Anklang gefunden. Besonders Güdemann ist mit vollem Eifer für diese Hypothese eingetreten und hat ihr eine sehr beachtenswerte Studie gewidmet, worüber wir im nächsten Abschnitte sprechen werden. *) Vgl. unten, S. 41. 2) Vgl. oben S. 2.