Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 263)
- Language
- German
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260 Varianten oder Korrekturen seien. Tatsächlich stimmen alle Gelehrten darin überein, dass man an den erwähnten Stellen der Heiligen Schrift die Reinheit und Lauterkeit in der Ausdrucksweise wahren wollte und deswegen änderte. Es kontrastierte mit der Decenz, diese Wörter so zu lesen, wie sie geschrieben waren, und deshalb, wurden für sie zum Zwecke des Vortrags reinere Wörter substituiert. So meinen schon von den neueren Exegeten Müller (Mas. Sof.), Gesenius, Bleek, Vatke, Bacher (die hehr. Sprachwissen- Schaft vom 10. bis zum 16. Jahrhundert, S. 3) u. a. Unter den indischen Schriftstellern erläutert die Talmudstelle am eingehendsten מהרש״א in seinen הדושי אבדות zum Talmud. (Wir werden auf seine Ansfahrungen noch zu sprechen kommen). Die erwähnte Auffassung scheint tatsächlich die richtige zu sein. Es war unpassend, bei der öffentlichen Vorlesung Worte zu gebrauchen, welche das,ästhetische Gefühl verletzen können 1 2). Die obseönen Wörter blieben jedoch im Text stehen und der Vorleser war verpflichtet, dieselben durch die vorgeschriebenen, nicht gegen die Decenz verstossenden umzutauschen. Nun steht mit dieser Vorschrift scheinbar eine ändere, welche beim Thoravorlesen zu beobachten Pflicht ist, im Widerspruch, dass nämlich der Vorleser nicht ein einziges Wort auswendig vorlesen dürfe (Joma 69 a, Sof. 11. 2, Schulchen Aruch Orach Chajim 144. 1). Diese Frage wurde bereits R. Salomon ben Ad er et h (רשב״א) vorgelegt (zitiert in R. Jakob ben Cha jims Einleitung): וששאלת כיון שאסור לקרות בתורה אפילו אות אחת שלא מן הכתב, האיך שלית,צבור קורא ישכבנה והוא כתיב ישגלנה, וכן בכל תיבה שיש בה קרי וכתיב, שכלם בתומם בתורה כפי המסרה ולא כפי הקרי? תשובד;: זו הלכה למשה מסיבי, וימו שכתוב בנדרים פרק אין בין המודר מקרא סופרים ועטור סופרים, כתבן ולא קריין בולן ״ הל״מWas du gefragt hast, wieso der Vorbeter z. B. ישכבנה vor^ lesen darf, wo doch ישנלנה geschrieben steht, da man doch nicht einen einzigen Buchstaben aus der Thora vorlesen darf, der nicht geschrieben ist; darauf antworte ich dir: alle sind הלכה למשה מסיני*) dem Moses am Sinai vorgeschrieben worden, wie es auch im Talmud Nedarim ausdrücklich .hervorgehoben ist“. Wir sehen aus dieser Antwort, dass R. Salomon ben Adereth der Ansicht war, dass diese Art von Q. K. ebenso wie alle anderen 1) VgL. Pesachim 3 a. 2) VgL über diesen Terminus § IX.