Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 249)
- Language
- German
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246 Übersetzung überhaupt keinen Rückschluss auf den Originaltext ziehen, denn ein Übersetzer erlaubt sich im Interesse des besseren Verständnisses sehr oft nicht geringe Freiheiten1). — 2) Die Übersetzer der heiligen Schrift in die Targum-Sprache waren nicht immer Übersetzer, sondern häufig Paraphrasten. Ex. 23. 19 hat der Urtext לא תבשל גדי בחלב אמר, Targum Onkelos übersetzt: לא תיכלון בשר בחלב. Will Cornill vielleicht hieraus beweisen, dass Onkelos verschiedene Handschriften des Urtextes vor sich hatte, in der einen fand er die Lesart, die in unseren Bibelausgaben steht, in der anderen aber stand: לא תאכלון בשר בחלב? So ■erläutert Onkelos noch an vielen Stellen der heiligen Schrift, z. B. Gen. 9. 6: דישוד דמא דאנשא בסהדץ על מימר דיניא דמיה יתשד (f. שופך דם האדם באדם ר*(דמו ישפך Ex. 12.13: כל בר ישראל דאשתמד לא ייבול ביה (f.כל בן ניכר לא יאכל בו); Lev. 23.40 פרי עץ הדר.!) פירי אילנא אתרוגין). Bei diesen und allen ähnlichen Stellen eine andere Lesart voraussetzeu zu wollen, wäre albern; ebenso albern ist es, aus den Targumim folgern^zu wollen, dass Onkelos oder Jonathan Q. K. vor sich gehabt haben oder nicht, ob sie dem Q. mehr Geltung verschaffen wollten als dem K. oder umgekehrt. — 3) Ich habe Dachgeprüft and gefunden, dass die Targumim nicht ״im allgemeinen“ mit dem Q. übereinstimmen, sondern dass an sehr vielen Stellen nach dem K. übersetzt wurde, z. B. bei Onkelos: Gen. 33.4; Jos. 8. 16, ßi. 16.25, 1. Sam. 2.16, 1. Kön. 15.15, Jes. 10.32, Jer. 6.21, Ez. 9. 5, Ps. 24.4, Misch. 19.7; bei Jonathan : Jos. 9.7,24.15; 1. Sam. 2. 16; 2. Sam. 14. 21, 22. 51; 1. Kön. 15. 15; 2. Kön. 16.6, 20.18; Jes. 5.29, 10.32; Jer. 2.20, 6.21. Wir sehen, ein einheitliches Bild über den kritischen Wert oder Unwert des K. und des Q. lässt sich nicht aufstellen. Man kann nicht sagen, dass man immer das K. zu bevorzugen hat; ebenso falsch wäre es, wenn man das K. immer verwerfen würde2). Dass man die Q. K. aber trotzdem auf eine einheitliche Linie zu stellen vermag, werden wir § IX sehen. 1) Aus diesem Grunde habe ich auch in dieser Arbeit die anderen Über Setzungen nicht berücksichtigt. 2) Levita schreibt in der 3. Vorrede zu seinem Buche, dass man sich nicht auf die Angabe der Q. K. in der ersten Bombergischen Bibel (1518) verlassen soll, weil der Setzer kein Jude war, und in den Büchern, welche er vor sich hatte, öfters Verschiedenheiten fand. Er wusste aber nicht., welche