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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 221

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 221)
Language
German
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218 flicht Halt gemacht werden. Die alten, überlieferten und tiefdurchdachten Wahrheiten mussten weichen, sie wurden ersetzt durch augenblickliche, mehr oder weniger geistreiche Einfälle und Gedanken, ohne sie in genügendem Masse beweiskräftig auszugestalten. Bei der Bibelkritik kommt dies in erhöhtem Masse zum Vorschein. Die Sucht, glänzen zu wollen, zu erweisen, dass die erreichte Gelehrsamkeit auch nicht vor dem Heiligsten den Rückzug antritt und befähigt genug zu sein sich erkühnt, Fehler zu entdecken, dort wo Wissen und Erfahrung an dem Nullpunkt angelangt sind, sollte endlich eingeschränkt werden, und an der, sicherlieh fruchtbringendere, auf dem biblischen Gebote, nicht das Geringste an dem bestehenden Gesetze zu ändern, aufgebauter Exegese, die amWerke^unserer Grossen aus alterund neuer Zeit weiter arbeitet, muss die Aufgabe der kommenden Jahre sein. Die jüdische Exgese muss ihren eigenen Weg gehen, muss sich frei machen von den verkehrten Anschauungen der Umgebung. Jede einzelne Erscheinung in unserem Schrifttum muss sorgfältig geprüft und durchdacht werden; längeres Nachdenken wird uns überall auf den allein richtigen Weg führen. — — In vorliegender Arbeit ist dies für eine relativ wenig beachtete, aber nicht minder wichtige Begleiterscheinung des biblischen Textes versucht worden. Versucht wird zu zeigen, dass in dem Althergebrachten die grösste Wahrheit verborgen liegt. § I. Begriffserklärang und Einteilung der Qeri Kethib 1). Zu den interessantesten Erscheinungen bei den masoretbisehen Angaben gehört das sogenannte Qeri Kethib 2). In grosser Zahl finden sich Wörter, welche anders gelesen werden (קרי), als sie geschrieben sind (כתיב), in den 24 Büchern der heiligen Schrift. *) Q. K. In manchen Zitaten werden die beiden Bezeichnungen anders abgekürzt, der Einfachheit halber habe ich auch bei diesen die •Abkürzung Q. K. angenommen. 2) In Bezug auf die Aussprache schliesse ich mich der Auffassung Capellus (Crit. sacra III. 15,4) mit seiner Übersetzung legito an, sodass

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