Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 212)
- Language
- German
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209 den inländischen Handelsleuten und Krämern leicht beträchtlichen Schaden zuziehen könnte“. Im gleichen Sinne, wenn auch das Handelsverbot weniger betonend, lautet der Holkammer-Befehl vom 26. September 1791 an die Mautämter Hallein, Tittmoning, Werfen, Lend, Lofer, Teisendorf, Lengberg, Hüttenstein, Radstadt und Wagrain1). Dieser Erlass ordnet auch die Entfernung der Tafeln mit der Aufschrift ״Judenzoll“ an und befiehlt, jeden bei der Landes-Eintrittsstation ankommenden Juden, ״wenn er Handel und Wandel zu treiben vorhat“, an das betreffende Pflegegericht zu weisen. War also auch solcherart die Jahrhunderte alte Schmach des Judenleibzolles in Stadt und Land Salzburg gefallen, der Weg durch das Land den Juden freigegeben, so blieb doch offiziell noch genug des Demütigenden für sie zurück, insofern ihnen nämlieh auch jetzt noch der Handelsverkehr im Lande gesetzlich verschlossen blieb. Erwägt man, dass, wie im Mittelalter das Geldgeschäft, im 18. Jahrhundert der Hausierhandel fast der einzige Erwerbszweig der Juden war u. z. infolge der in diesem Zeiträume für Juden überall äusserst erschwerten Sesshaftmachung, so wird man das Drückende begreifen, das aus jeder Absperrung eines Territoriums gegen ihren Hausierbetrieb für sie erwuchs. Zum Glücke war indessen, wie überall, auch in Salzburg die Praxis stärker als die Theorie. Trotz der alten und neuen Verbote nahm jetzt der Zuzug nicht nur durchreisender, sondern auch handeltreibender Juden bedeutend zu. Das Ereignis der Aufhebung des Leibzolles erregte um so mehr Aufsehen und übte auf viele Juden um so eher Anziehungskraft aus, als damals, wie bereits erwähnt*), nur sehr wenig andere Souveräne in ihren Ländern das gleiche getan hatten. Interessant ist, dass sich damals auch der Ahnherr des Hauses Rothschild, der Schutzjude und Handelsmann Mayer Amschel Rothschild aus Frankfurt a. M., mit seinen zwei Söhnen Amschel Mayer und Salomon Amschel für den Aufenthalt und Handelsbetrieb in Salzburg interessierte. Nachdem die ״drei Frankfurter“ am 20. Januar des Jahres 1800 von Kaiser Franz II. za k. k. Hoffakteren *) Wortlaut ebenda Nr. 12. י) Siehe Seite Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft XV. 14