Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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20B gesetzt zu haben meint, bittet er schliesslich am die Verfügung an den Pfleger, ,,dass ihm die unverschuldeter Massen als Strafe abgenommenen 8 Florin wieder zurückgestellt werden sollen, da er ohnehin wegen Zeitversäumnis und getragenen Reisespesen nach der hochfürstlichen Residenzstadt viele Kosten erlitt“. Die Hofkammer ging auf die Klageführnng Anschel Lewis sofort ein. Sie scheint sogar dem Landesfürsten ein willkommener Anlass gewesen zu sein, dem Judenleibzoll in seinem Staade den Garaus zu machen. Zunächst wurden jedoch der Pfleger nnd Mautschreiber von Teisendorf mittels Reskript vom 26. November aufgefordert, sich über die Beschwerde Lewis zu äussem, woran! schon nach zwei Tagen eine Berichterstattung erfolgte, die für Lewi nichts weniger als schmeichelhaft war1). Besonders der Berieht des Pflegers Franz v. Agliarchis strotzt nur so von Schimpf- Worten und Unflätigkeiten. Ausdrücke wie ״der erzgrobe Jude“ und ״seine stinkende Person“ werden freigiebig gebraucht, wie denn Lewi überhaupt als ein hochmütiger, renitenter Mautschleicher geschildert wird. Agliarchis, ein kranker, verdrossener Mensch, der sich in dem Neste Teisendorf über alle Massen unglücklich fühlte, entpuppte sich dabei nicht bloss als ein wütender Judenfeind, sondern ebenso auch als ein arger Bayernhasser. Er nennt die Bayern מ unsere Erzfeinde“. Sein Brief gewährt einen interessanten Einblick in die kleinlichen Unstimmigkeiten, die damals, offenbar nicht vereinzelt, zwischen Bayern und Salzburgern, wie auch zwischen Salzburgern und Berchtesgadnern herrschten. Anschel Lewi war ein bayerischer Jude, also doppelt wert, von Agliarchis mit dem schärfsten Ingrimm behandelt zu werden. Auch in dem Schreiben des Mautscbreibers Ignatz Schmutzer2) werden mit Lewi gleichzeitig auch die Bayern überhaupt ordentlich angeschwärzt, wahrscheinlich in der Meinung, hiedurch der Hofkammer einen patriotisch schmeichelhaften Gefallen zu tun. Dass gerade dieser Bericht, der die ganze Ungerechtigkeit und Willkür des Leibzolles veranschaulichte, den humanen, aufgeklärten Sinn des Landesfürsten und seiner Räte beleidigen und der hässlichen ג) Siehe Wortlaut Anhang II U. A. u. L. Texte Nr. 7. 2) Der den Sachverhalt in gleicher Weise angibt. Originalakt im k. k. L. Regierungsarchiv Salzburg.