Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 203)
- Language
- German
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200 and die ihm selbst Unverdientermassen gelegentlich zuteilgewordene schnöde Behandlung empörten und beleidigten tief sein jüdisches Selbstgefühl. Mit der denkbar grössten Natürlichkeit und Selbst- Verständlichkeit, die nur das unmittelbare Empfinden sittlicher Entrüstung zu verleihen vermag, griff er zur Selbstwehr und wandte sich über die Köpfe aller Instanzen hinweg direkt an die höchste Landesstelle, an die Hofkammer. Der Schwung und die überzeugende Kraft seiner Be$ch werdeschrift, die nicht verfehlte, selbst dem Landesfürsten zu imponieren, macht ihm alle Ehre. Die Schneittacher Juden waren von Haus aus überhaupt etwas verwöhnter und daher ehrempfindlieher als die übrigen damaligen in Bayern. Sie besassen schon seit dem J^hre 1731 einen sogenannten ,,,Konzessionsbrief״, mittels dessen ihnen das sonst üblich gewesene Geleitgeld״ ganz und der Leibzoll — um dessen Aufhebung sie schon 1665 und 1667 angesucht hatten1) — teilweise erlassen wurde. Auch die Gerichtsbarkeit in Zeremonial- Sachen wurde ihnen um die erwähnte Zeit bewilligt2) Besonders war Anschel Lewi ein stolzer Schneittacher Jude, ein unbeugsamer, selbstbewusster Charakter, der in Ehr- und Rechtssachen nicht mit sich feilschen liess. Er war eine Zeitlang einer der Judenvorsteher in Sehneittach3). Durch Prozesse, Geschäfte und Beschwerden kam er auch zu den Behörden in Beziehung. So war er in Gemeinschaft mit Seligmann Löw aus Sehneittach im Jahre 1762 Armeelieferant und kam im selben Jahre um einen persönlichen Befreiungspass vom Leibzoll ein4). 1769 überreicht er bei seiner Regierung ein Ansuchen, Güter, die er aufgekauft, zertrümmern (parzellieren) zu dürfen5). 1777—1778 fordert er eine staatliche Entlohnung für seine Auskundschaftung von Sulzbürgischen Lehensgütern6). 1780 hat er einen Prozess mit dem Wirte zu Loderbach, der sich gegen Anschel Lewis Errichtung eines Wirtshauses in Richtheim beschwerte7), und 1793 führt er Beschwerde gegen an- י) Weinberg 7 Nr. 2829. י) Aretin 73—74. s) Weinberg 12 Nr. 244. 4) Ebenda 7 Nr. 2833. *) Ebenda 12 Nr. 1040. «) Ebenda 14 Nr. 4967. 7) Ebenda 5 Nr. 1538.