Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
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( 197 zu willkürlichen Übergriffen der Mautner kam, ist sehr leicht zu verstehen. Es kam aber auch bei jenen Stationen zu manchen Schikanen gegen die Juden, die über vorschriftsgemässe nomierte Tarife des Judenleibzolls verfügten. Die Saizburgisehen Mautstellen wiesen nämlich keine besonderen Kennzeichen für die Jadenmaut auf. Bei den Mautschranken war überall bloss eine Tafel mit der Aufschrift ״Maut“ angebracht. Ein Vermerk betreffs des Judenzolls enthielten diese Tafeln nicht, so dass der fremde Jude durch nichts an eine besondere Pflicht und Schuldigkeit gemahnt wurde. Oft ereignete es sich daher, dass durchreisende Juden in der anschuldigsten Weise die Abgabe des Leibzolles bei den Mautschranken unterlassen. Diesen Umstand machten sich aber gewissenlose Beamte zu Nutzen und belegten die schuldunbewussten, ahnungslosen Juden mit allerlei Strafen. Die so betroffenen Juden pflegten sieh zwar zu rechtfertigen oder gar zu protestieren, aber es half. ihnen in der Regel sehr wenig. Erst eine gelegentliche direkte Beschwerdeeingabe beim Landesfürsten selbst über die Köpfe der zuständigen Instanzen hinweg sollte einigermassen Remedur schaffen. Dies geschah, als es einmal dem Juden Götz Gabriel Uferheimer, einem Sohne Gabriel Uferheimers aus Innsbruck1), bei der Mautstation Lofer passierte, an die Entrichtung des Judenleibzolles für sich selbst und seinen Diener zu vergessen, und er deshalb mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt wurde. Die Uferheimers standen als Hofjuden und Hoffaktoren in Innsbruck nnd Hohenems in hohem Ansehen und liessen sich eine נ) Über die Familie Uferheimer, «iehe Tänzer (an mehreren Stellen, laut Namen- und Sachregister). Jedoch heissen die Mitglieder da Uffenheimer. Wahrscheinlich liegt im vorliegenden Falle ein Schreibfehler in den Akten vor. Gabriel, von dem hier die Rede ist, war der dritte Sohn des 1725 aus Innsbruck nach Hohenems eingewänderten, reichen Kaufmannes und reichsgräflichen Hofjuden, des späteren Vorstehers der jüdischen Gemeinde zu Hohenems, Jonathan Uffenheimer. Seine älteren Brüder waren Jakob und Mayer Uflenheimer, der letztere k. u. k. Hoffaktor. Tänzer erwähnt diesen Gabriel nur einmal (im Anhänge ״ Familienregister “ S. 779). Es scheint ihm von diesem nur sehr wenig oder gar nichts bekannt gewesen zu sein. Wahrscheinlich hat Gabriel nicht lange in Hohenems gelebt, sondern mehr in Innsbruck, dem ersten Wohnsitze seines Vaters, weshalb die Akten zur Geschichte der Jaden von Hohenea>s von ihm nichts berichten.