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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 193

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 193)
Language
German
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190 Die Juden wurden daher weiter offiziell ferue gehalten, durften nur in den Vorstädten einige Tage verweilen und übernachten1) und waren einstweilen noch immer unnachsichtig an den Leibzoll wie auch an die tief erniedrigende und kostspielige Bewachung durch einen begleitenden Mautbediensteten gebunden2), wiewohl inzwischen Ludwig XVI. von Frankreich, Kaiser Joseph (2. Januar 1782?) und König Friedrich Wilhelm II. (Dezember 1787, Juli 1788) die Aufhebung des Leibzolles bereits verfügt hatten3). Trotzdem war mit dem Regierungsantritte Hieronymus’, wie der zeitgenössische Geschichtsschreiber Hübner4) zutreffend sagt, faktisch ״ein sanfteres Jahrhundert" für die Juden hereingebrochen, und wurden die Zeiten Leonhards durch seine ״milden Weisheit“ ein gross Stück zurückgedrängt. Schon die Tatsache, dass Juden überhaupt, wenn auch nur unter besonderen Massnahmen, ins Land kommen und Aufenthalt nehmen konnten, mnss als grosser Fortschritt der Judenannäherung bezeichnet werden. Die Entfernung und Vernichtung der ״Judensau“ vom Rauthausturme 5) durch den Stadtmagistrat im Jahre 1782 6) erfolgte auch auf Veranlassung des Landesherrn und war durchaus ebenfalls ein bedeutender moralischer Erfolg der jüdischen Sache. Waren erst einmal die ״Denkmäler grober Witzeley und Intoleranz weggeräumt“ 7), so musste auch langsam die tiefe Ver- Aufklärung seiner Z£it, litt er, als aufgeklärter Absolutist, ganz besonders an der ״Halbheit der Mittel, an der Unmöglichkeit, die Widersprüche zwischen Glauben und Wissen, zwischen alter feudaler und absoluter Regierung, zwischen dieser und berechtigter Freiheit zu lösen“ und praktisch zu gewähren, was ihm theoretisch richtig schien. ף Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. 237. 2) Siehe S. 6 und Anhang II: Urk. u. Akt. Texte Nr. 19. Vgl. auch * Hübner I 143. *) Grätz XI 145—146, Wertheim 137.138-ך ף Hübner I 143. s) Hübner I 143, Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. 151. Vgl. Bd. I 161—163 6) und 181—182. Die Fensterinschrift am Sakramentenhäuschen der Liebfrauen (Augustiner) Kirche zu Mülln, mit der Historie der Judenverbrennung im Jahre 1404 (Siehe Bd. J. 125) erhielt sich länger und war noch 1792 vorhanden. (VgL Bd. I 182). Sie ist wahrscheinlich auch über Veranlassung Hieronymus entfernt worden. ף Koeh-Sternfeld: D. 1. 30 J. 151.

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