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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 191

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 191)
Language
German
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Toleranzedikt1), und auch der erwähnte Hirtenbrief ist ganz direkt die Folge seiner geistigen Mahnung gewesen2). Einen Beweis seiner vorurteilslosen Gesinnung gegen das Judentum legte der Erzbischof ab, als er — gewiss etwas Seltenes von einem Kirchenfürsten in jenen Tagen — auf seiner Europa-Reise im Jahre 1786 anlässlich seiner Anwesenheit in Amsterdam vom 15. bis 19. August auch eine dortige Synagoge besuchte. Sein Biograph3) schreibt über das interessante Ereignis: ״In der deutschen Synagoge, die der Erzbischof besuchte, nannten die Juden in ihrem * Gebete für regierende Häupter auch den Herzog von Salzburg, Fürsten Colloredo, mit seinem Gefolge und begleiteten ihn unter tausend Segenswünschen an den Wagen“. Dieses angenehme und rührende Erlebnis bei den Juden in der Synagoge zu Amsterdam ist gewiss nicht ohne tiefen Eindruck auf ihn gewesen und hat ihn sicherlich in seiner Judenfreundlichkeit bestärkt. Indessen war aber Hieronymus infolge seiner Doppelstellung als geistlicher und weltlicher Machthaber nicht in der Lage, das begonnene Werk seiner Reformen vollständig durcbzuführen. Es fehlte ihm hier auch an Konsequenz, und der aufgeklärte Fürst geriet nur zu oft in Zwiespalt mit dem orthodoxen Priester. Salzbürg war auch nicht der Ort für die volle Verwirklichung Josephinischer Toleranzpläne betreffs der Juden. In Salzburg gab es ja keine ansässigen Juden, und sie heranzuziehen, beabsichtigte 1selbst Kaiser Joseph in seinen Ländern nicht. In einer Verordnung vom 7. September 17814) schrieb der Kaiser vielmehr, dass seine Absicht keineswegs dahin gehe, die jüdische Nation in den Erblanden mehr auszubreiten öder da, wo sie nicht toleriert ist, neu einzuführen, sondern nur da, wo sie ist und in dem Masse, wie sie als toleriert besteht, dem Staate nützlich zu machen 5). In ף Salzburger lntelligenzblätter Jahrgang 1781. 2) Siehe Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. 144. s) Ebenda Beilage III 353. 4) Statthalterei Archiv Innsbruck, Resulutio caes. Reg. Vgl. Tänzer 135. s) Trotzdem hatte das Toleranzedikt auch die Niederlassung von Juden in den oster. Erblanden zur Folge. Eine diesbezügliche charakteristische Notiz aus Wien, die von der damaligen allgemeinen Stimmung zeugt und die Heranziehung der Juden zur Militärdienstleistung behandelt, enthält die ״Salzburger Zeitung“ vom 24. Dezember 1784. Sie lautet:

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