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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 190

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 190)
Language
German
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ästelungen von seinem aufgeklärten, reformatorisehen Geiste erfasst1). Dabei wurde keine Autorität gescheut. Sogar dem Papste wagte der kühne Reformator im höchsten geistlichen Kleide Opposition zu machen und dessen Pläne auf Erweiterung des Einflusses in Deutschland2) zu durchkreuzen. Als Mensch erfreute er sich — infolge seines allzusteifen verstandeskühlen und knickerischenWesens — zwar nicht der allgemeinen Beliebtheit. Nichtsdestoweniger hat er auch in sozialpolitischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht manche Proben seines ungewöhnlichen Geistes abgelegt und so manches auch anerkannte Gute geschaffen3). Dass ein solch freigeistiger Fürst auch in der Judenfrage einen toleranten Sinn und Weitblick bekundete, ist beinahe etwas Selbstverständliches. Ausserte sich doch auch bei Kaiser Joseph II. die Aufklärung nicht zuletzt in der Tolerierung der Juden, die mittels des berühmten Ediktes vom 16. Mai 1781 erfolgte4). Ohne Zweifel folgte Hieronymus, wie in allen freigeistigen Dingen, so auch im Prinzipe der Judenfrage dem leuchtenden Vorbilde seines kaiserlichen Freundes, der ihm sogar einen persönlichen Besuch in Salzburg (31. Juli 1777) abstattete5 6). Die ״Salzburger Intelligenzblätter“ publizierten gleich nach seinem Erscheinen das Josefinische *) So wurden aufgeklärte Geistliche aus dem In־ und Auslande berufen, die letzten Leibeigenen, die noch im Pflegegerichte Itter lebten, für frei erklärt. Das Volksschulwesen erfuhr eine Verbesserung, die Universität eine Umg& staltung. Zeitungen wurden ins Leben gerufen n. drgl m. (Vgl. Widmannn III 479, 481—482, 492, 496, Koch-Sternfeld: ^Die letzten dreissig Jahre“ 146—147 undRumpler-Hochmuths: ״Geschichte des Salzburgischen Schulwesens“. 2) Zauner, Landesgesetze III 23, Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. 340. Gärtner Lebensbeschreibung (1872) 12, Widmann 489—480. Vrgl. auch Arneth; Josef II und Leopold II (1884) 262. 8) Pichler 638. 4) Es sei hier bemerkt, dass das Datum des Toleranzediktes vielfach fälschlich angegeben wird. So gibt Grätz (X 75 ff.) den 19. Oktober 1781, Kassel und Grubner: ״Real-Encyklopädie“ T. 27 Art. Juden (93 b) den 13 Mai 1781 an. Wertheim (136 ff.) verlegt das Ereignis gar in dasiJahr 1782. Ancb Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. führt irrtümlich dieses letzt genannte Datum an. Richtig ist das hier genannte. (Vrgl. ״Sammlung der zur Bildung der Juden etc., Tänzer 133, Wolf 84—86.) 6) Zauner, Auszug der Landesgesetze II Bd. 480. Koch-Sternfeld: D. 1. 30 J. 144.

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