Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 189)
- Language
- German
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Es ist selbstverständlich, dass die Wirkung einer solchen Neuerungsbestrebung von seiten des Bischofs eines der ältesten Kirchenfürstentümer ungeheuer war, und zwar ebenso bei Feind als bei Freund. Der Hirtenbrief wurde in die meisten europäischen Sprachen übertragen und brachte dem Kirchenfürsten viel Anerkennung, aber noch viel mehr Widerspruch 1). Trotzdem liess sich Hieronymus nicht abschrecken, auf dem einmal begonnenen Wege weiterzuschreiten. Im Laufe seiner Regierung wurde das ganze staatliche, kirchliche und soziale Leben des Landes in seinen tiefsten Ver- Christ und Jnd gleicheinig empfehlenswerten Inhalt des einzig in seiner Art dastehenden Hirtenbriefes sei hier nur das Folgende erwähnt: Dem Klerus wird empfohlen, allen überflüssigen, mehr der Zerstreuung als der Andacht dienenden Kirchenschmuck (wie das doch gar sehr auch auf manchen prunksüchtigen Tempelkult unserer Zeit passt!) zu entfernen. Nicht in der Menge des Goldes, der Perlen und dgl. mehr bestehe die Vorzüglichkeit einer Kirche, sondern in der aufrichtigen Pflege der Nächstenliebe, in der Unterstützung der Schule und ihrer Lehrer, der Armen- und Krankenhäuser und des stillen Verdienstes. Das Volk soll auch bessere Vorstellungen von Gott und seinen Eigenschaften erhalten. Der Seelsorger soll Ratgeber, Tröster, Aufklärer und Stütze der Seinigen sein, damit sie von den Wegen der Vorurteile, des Aberglaubens, der Unwissenheit und Finsternis abgeleitet werden, so ihre Staatsbürgerpflichten ehrlich erfüllen und an Einsicht und Herzensgute zunehmen. Je reiner, heller und aufgeklärter der Mensch ist, desto lauterer und fruchtbarer in allem Guten wird auch seiue Religion sein. Die Kirche hat daher ihren öffentlichen Gottesdienst einfach, rührend und belehrend zu gestalten. Hauptsächlich soll er ein vernünftiger sein. ״Lehret“, so lässt sich das Hirtenschreiben vernehmen, ״das Volk auf die Beweise der Weisheit und Güte Gottes Ip der Natur aufmerksam werden, (Man merkt deutlich die Spuren des Leibnitz- Wolfscben rationalistischen Aufklärungs-Optimismus. Anmerkung des Verfassers) so wird es die Grösse Gottes mit einer viel tieferen Ehrerbietigkeit empfinden und anbeten, als durch allen Kirchenschmuck und äusserlichen Prunk, durch Musiken und Chören, durch Verkleidungen und sonstige Gebräuchen zu Wege gebracht werden kann“. - ’ ' Der Seelsorger soll deshalb auch in der Physiologie, im Naturrechte, in der philosophischen Sittenlehre, Geschichte, Landwirtschaft, Gesundheitslehre, Naturgeschichte und in der Landeskunde Einsicht besitzen. Der Seelsorger soll ferner mehr durch Wandel und Beispiel, als durch blosse Worte das Christentum empfehlen und ein Muster und Vorbild für alles Gute sein. Er soll schliesslich mit reinen Händen seines Amtes walten und sich insbesondere vor dem sündhaften Verkaufe der Ablässe hüten. י) Koch-Sternfeld ebenda 144, Widmann 483—487.