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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 188

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 188)
Language
German
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185 ״Colloredo“ so sagt ein zeitgenössischer Biograph1) von ihm, kannte den Geist des von Kaunitz und Joseph ausgegangenen hierarchischen Systems und wirkte demselben gemäss schon in seiner Diözese Gurk gegen die krasse Bigotterie Kärntens, den Obscurantismus der dortigen, Klöster, gegen die einseitigen Verbindungen mit Born, überhaupt gegen die Missbrauche im Glauben und im Priestertum ein. Es war eine Vorschule des oberhirtlichen Amtes im nächtlichsten Theile Teutschlands“. Nicht ohne Grund ״bangte es daher den höheren Beamten des damaligen Salzburg vor seinem durchschauenden Blick und der Geistlichkeit ob der Gefahr für das gemächliche Halbdunkel ihrer Existenz4‘2). Schon gleich nach seiner Wahl erliess er Disciplinar-Ordnungen, welche die Aufhebung vieler herrschenden Missbräuche und die Verminderung der Feiertage zum Ziele hatten. Im Jahre 1773 wurde durch eine Verordnung die Geistlichkeit den Polizeigesetzen unterworfen und das Beichthören in den Wohnungen untersagt. Ein Jahr später erfolgte ein Verbot gegen Geisterbeschwörungen und Benedictionen, gegen den Gespensterwahn, die Zaubereien, Besessenheiten und dergleichen mehr. Vollends aber brachte das Jahr 1782 eine für die Salzburger Verhältnisse ungeheuere Überraschung von Seite des Landesfürsten. Eben war der Papst bei seiner Rückkehr aus Wien vom Besuche Kaiser Josephs II. durch den Sprengel gezogen, und die Jubelfeier des zwölften Jahrhunderts der Salzburger Kirche, das Säculumfest des Erzstiftes nahte, als der Erzbischof am 29. Juni 1782 einen merkwürdigen und allseits verblüffenden Hirtenbrief über Wesentliebes und Nichtwesentliches in Religion und Gottesdienst erliess. In den 52 Artikeln dieses Erlasses übte Hieronymus eine bis dahin unerhörte Kritik an alleiü in Kirche und Katholizismus damals Bestehenden. Schonungslos sollte alles dem Zeitgeiste Entgegenstehende ausgemerzt werden und der Geist der Vernunft und Bildung, der Toleranz und Aufklärung in die Kirche einziehen3). ג) Ebenda ״Die letzten dreissig Jahre“ 16. 2) Ebenda ״Die letzten dreissig Jahre“ 40. s) Ebenda ״Die letzten dreissig Jahre“ 144 und Beilage II, Widmann III 483. Aus dem reichen, vortrefflichen, noch immer höchst aktuellen und für

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