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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 187

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 187)
Language
German
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184 Viertes Kapitel: Hieronymus, Graf von Colloredo, der letzte regierende Erzbischof von Salzburg, seine Aufklärungstätigkeit und Toleranz, seine vorurteilslose Gesinnung gegen das Judentum, er besucht einen Judentempel, die Entfernung der ״Judensau“ vom Rathausturme in Salzburg, ein Fall des alten Blutwahnes. £1772—1791.) ״Die Primatie der Salzburgischen Kirche“, sagt ein älterer Geschichtsschreiber1), ״die einhundert Jahre hindurch ehrwürdig aud kraftvoll von ihrem erhabenen Felsensitze herab die Gläubigen von der Donau bis an die Save leitete, trat in ihren letzten dreissig Jahren ebenso merkwürdig hervor als die Regentschaft derselben in den mannigfachsten Beziehungen ihrer Weltlichkeiten“. Zu diesem merkwürdigen Hervortreten gehörte in der Hauptsache das interessante Faktum, dass das vielgepriesene und vielgeschmähte Zeitalter der Aufklärung nicht verfehlte, sich auch im Kirchenstaate Salzburg Eingang zu verschaffen. Salzburg, Jahrhunderte lang eine Hochburg der Gegenreformation, eine Zwingburg jedes fremden Glaubensbekenntnisses; Salzburg, Generationen hindurch unduldsam auf Leben und Tod und in aufreibenden Kämpfen gegen Ketzerei und Sektenwesen verwickelt, tritt noch in letzter Stunde, ehe es auf hörte, souveräner Kirchenstaat zu sein, in die vorderste Reihe der sogenannten aufgeklärten Staaten. Auf Erzbischöfe, wie Lange, Dietrich, Sittich, Gondolph und Leopold Firmian — um nur die bedeutendsten zu nennen, die, von allerlei Sektenwesen verfolgt, stockgeistliche Unduldsamkeiten übten — sollte nun für die letzten dreissig Jahre des geistlichen Staates ein Fürst auf dem alten Bischofsstuhl folgen, der, was Aufklärung und kühne Toleranz betrifft, mit Recht an die Seite seines grossen Zeitgenossen und Freundes, Kaiser Josefs II., gestellt wird. Es war Hieronymus Franz de Paula aus den! reichsfürstlichen Hause Colloredo von Wallsee und Mols. Zuletzt Bischof von Gurk (Klagenfurt), wurde er am 14. März 1772 zum Erzbischof von Salzburg gewählt. l) Koch-Sternfeld: ״Die letzten dreissig Jahre“ 3.

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