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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 186

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 186)
Language
German
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Laub zur Schmückung ihrer Synagoge zu holen. Dabei scheuen sie sich nicht, den jungen Bäumchen die Wipfel abzuhauen, wodurch das Wachstum derselben vereitelt wird und also der ׳ Herrschaft und der Christengemeinde ein grosser Schaden entsteht. 6) Die Juden haben die Behörden ganz in ihrer Hand. Bei einem y Rechtsstreite haben daher die Christen stets von vornherein einen verlorenen Prozess. Selbst bei offenkundigen Verbrechen werden die Juden mit einer geradezu sträflichen Milde behandelt oder gar nicht gerichtlich verfolgt und abgeurteilt,, wie sich dies gezeigt hat, als das Schloss zu Krumbach von Juden beraubt und bestohlen wurde. Auch bei einem anderen Anlasse bestätigte sich das laxe und parteiische Vorgehen der Behörden gegenüber den Juden: Ein Hiirbener Jude brachte ein neu erworbenes Pferd, das mit allen vier Anzeichen einer ansteckenden Krankheit behaftet war, auf Grund eines gefälschten Viebpasses nach Hürben und liess es mit den anderen Pferden des Ortes beisammen zur Weide gehen. Als man auf den Betrug und das für den ganzen Viehstand von Hürben gefährliche Vergehen des Juden kam, wurde dieser nicht, wie er es verdient hätte, strenge bestraft, sondern bloss angehalten, das Pferd an einen unbekannten Ort zu führen, es dort zu töten und zu vergraben. Der Erzbischof scheint anfangs auf die Beschwerde gar nicht reagiert zu haben. Die Hürbener sahen sich nämlich nach zwei monatlichem vergeblichen Warten bemilssigt, ihre Besehwerde-Eingäbe mit Berufung auf die erste zu erneuern. Wie sich dann der Erzbischof zur Sache gestellt hat, ist nicht überliefert. Vermutlich nicht viel anders als vorher.. Seine Salzburger Regierungsgeschäfte nahmen ihn viel zu viel in Anspruch, als dass er diesem ganzen anwidernden Streit grosse Aufmerksamkeit geschenkt haben wird. Es ist auch nichts bekannt, was darauf schliessen Hesse, dass auf die in Rede stehende Klage hin eine Veränderung zu Ungunsten der Hürbener Judenschaft eintrat. Jedenfalls blieb während Jakob Ernest Salzburger Regentschaft alles beim alten. Sie war nämlich sehr kurz, denn schon nach zwei Jahren folgte er *seinem Bruder Joseph in den Tod.

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