Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 185)
- Language
- German
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den strengen Befehl ergehen lasse, den begonnenen Bau wieder za demolieren und 4) dem Pfleger ernstlich auftrage, niemals mehr irgend etwas, und sei es auch das geringste, der Judenschaft, ohne Vor wissen des ״gnädigsten Herrn“ zu bewilligen. Sechs Beschwerdepunkte sollten diese Bitte unterstützen. Ihr Inhalt ist der folgende: 1) Das Vorgehen des Pflegers Kurt habe nicht allein der Christengemeinde zu Hürben als solcher zu Schaden gereicht, sondern auch der hohen Herrschaft selbst, indem der erstere sich gegen die alte Gepflogenheit des jus primae instantiae derselben vergriff und so ihr moralisches Ansehen schädigte. Dazu habe er sich noch gebrüstet, dass der Bau des Juden fortgehen müsse, selbst wenn es sein eigen Geld kosten sollte. 2) Durch die ״Schmirbalien und Aigenmächtigkeiten“ der Beamten hätten sich schon über 46 jüdische Ehepaare in Hürben eingeschlichen, wiewohl die Judenschaft kraft ihres Schutzvertrages nur auf 12 Ehepaare Anrecht hak 3) Betreffe des Judenbaues sei anfangs nur von einem ganz kleinen Anbau die Rede, nicht aber von dem Bau eines ganzen Hauses. Der Pfleger sei aber schuld daran, dass dem Juden so der Kamm gewachsen und er einen so ausgedehnten Hausbau beabsichtige. Überdies habe der Pfleger die hohe Herrschaft so sehr blamiert, dass der Landes-Vogt zu Günzburg geäussert habe, er könne selbst ohne Bewilligung des Herrschaftsherrn in Hürben so viel Juden ansiedlen, als ihm beliebe, was doch so klinge, als gälten die Verträge der Lichtenstein'schen Herrschaft überhaupt nichts mehr. 4) Durch die Mehrzahl der Juden erwachse der hohen Herrschaft durchaus noch kein grösseres Einkommen, da sie sich der Be- Zahlung der erhöhten Schutzgelder immer zu entschlagen wüssten. Die Beamten seien nur den Christen gegenüber bei der Steuereintreibung rigoros. Den Juden, die sie bestechen, sehen sie gerne durch die Finger. 5) Die Jaden benehmen sich bereits so frech, dass sie überhaupt pach niemanden mehr etwas fragen. So z. B. begeben sie sich alljährlich vor ihrem Pfingstfeste in die Wälder, um von dort