Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 183)
- Language
- German
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Salzburg zusämmenfiel, wurde er Chef des gräflichen Hauses. Es lag ihm ob, aus der bisher bewahrten Reserve herauszutreten und das Wohl und Wehe wie aller so auch seiner Güter und Guts- Untertanen von Krumbach und Hürben wahrzunehmen. In Hürben waren inzwischen die Misshelligkeiten zwischen der Christengemeinde und der dortigen Beamtenschaft bezw. der jüdischen Gemeinde bis zur Unerträglichkeit gediehen. Das — wie es scheint — ostentative Vorgehen speziell des Pflegers, eines gewissen Theodor Conrad Kurt, zu Gunsten der Juden, hatte die Christengemeinde bis zum äussersten aufgebrächt. Sie wollte nun nicht mehr länger an sich halten, zumal sie sich vom neuen Herrn sehr viel versprach. Ein Erzbischof werde doch zweifellos für die Gerechtsame einer Christengemeinde ein geneigteres Ohr haben als für die der Juden. So griff sie denn zur Klage. Sie legte in einer langatmigen, geharnischten Beschwerdeschrift (die leider kein Datum aufweist) in sechs Punkten ihren Unwillen gegen die Juden־ und die Beamtenscbaft, insbesondere aber gegen den erwähnten Pfleger nieder und überreichte den Akt dem Erzbischöfe als ״unserem nunmehro gnädigsten herrn, in tiefster Untertänigkeit“. Den Zünder in das Pulverfass hatte ein an sich unscheinbarer Vorfall gelegt: Noch zu Lebzeiten des Grafen Joseph wollte ein Hürbner Jude, namens Jacob Löb, ein Haus bauen. Pflichtgemäss meldete er seine Absicht dem Pfleger Th. C. Kurt, welcher ihm denn auch, allerdings ohne Vorwissen des Grafen, die Erlaubnis erteilte. Jacob Löb begann hierauf mit dem Bau. Hierob aber grosses Entsetzen bei der Christengemeinde; denn die Ausführung des neuen Hausbaues — so argumentierte sie ganz richtig — könnte nichts anderes bedeuten als /die Aussicht auf eine aber־ malige Vermehrung der Juden uud zwar mit zwei Ehepaaren. Für soviele war nämlich der Bau angelegt. Dem musste aber um jeden Preis vorgebeugt werden. Die׳ Judenvermehrung, die ohnehin schon stark über das vertragsmässig Normale gestiegen war, jagte der Christenschaft ein Grauen ein, zumal sie sich hiedurch in allen Dingen benachteiligt und überwuchert fühlte. Flugs gings daher ans Protestieren und Petitionieren beim^ Herrschafts-Herrn. In der Tat liess denn auch hierauf Graf Joseph den Weiterbau des Hauses einstellen. Aehnlich verfuhr er übrigens auch schon dreizehn Jahre vorher gegen eben denselben Juden, als dieser auch damals mit