Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 182)
- Language
- German
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*179 Auf Grund eines mit ihnen geschlossenen Schutzvertrages hatte einer der Ahnherrn der Gräflich-Lichtenstein’schen Familie — der Zeitpunkt kann leider nicht näher angegeben werden — zwölf Judenfamilien und drei besonders Privilegierten, als da sind : Rabbiner, Schulmeister und wahrscheinlich Vorsänger, die Erlaubnis erteilt, sieb unter den damals üblichen Bedingungen, wie Scbutzgeld, Stolageld u. dergl. in Hürben niederzulassen. Im Laufe der Jabre vergrösserte sich die bescheidene Judenkolonie immer mehr und wuchs schliesslich zu einer ansehnlichen Gemeinde an. In der in Rede stehenden Zeit, zwischen 1745 und 1747, zählte sie bereits mehr als 45 Ehepaare. Die Lichtenstein’schen Gutsherren dürften zwar den Juden nicht besonders hold gewesen sein. Sie scheinen ihnen immer ohne Nachsicht auf die Finger geklopft zu haben, wenn sie sich auch nur das mindeste über die kargen Gerechtsame ihres Schutzbriefes herauszunehmen suchten. Trotzdem Messen es die Grafen geschehen, dass die Judensiedlung stetig über die schutzbriefliche Normalzahl hinausging. Die hierdurch sich steigende Schutzsteuereinnahme scheint ihnen eben nicht unwillkommen gewesen zu sein, zumal sie im einzelnen nicht zu hoch war und nur weniger als fünf Gulden für den Kopf betrug. Mehr aber als die Feudalherren selbst war die Beamtenschaft der Herrschaft den Juden geneigt. Manche suchten sie bei allen möglichen Dingen in der offenkundigsten Weise zu begünstigen. Wie nicht anders zu erwarten, erregte dies das Missfallen und den Neid der Christen. Sie beschuldigten die Beamten der Parteilichkeit und Messen es nicht fehlen, ihren Unmut sowohl gegen diese als auch gegen die Juden zu äussera. Jakob Ernest hatte sich bis zur Zeit seiner Salzburger Regentschaft um die Gütereien seiner Familie wenig gekümmert. Er scheint dies ganz seinem Bruder, dem Grafen Joseph, überlassen zu haben. Dieser war denn auch der Senior und Herr , der Besitzungen. Nach dessen Tode aber, der offenbar zeitlich mit Jakob Ernests Wahl zum Erzbischöfe von jüdisches Gemeinwesen, mit einem angesehenen Rabbiner aas Österreich an der Spitze. Die Wiener Jadenaustreibung im Jahre 1670 warf ihre Opfer auch dort bin. (Vgl. Kaufmann: ״Die letzte Vertreibung . . .“ S. 205 und Wachstein S. 437 Nr. 517.)