Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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178 Salzburg so ziemlich ״ketzerrein“ geworden. In Betreff der Juden hatten sich die im ersten Kapitel geschilderten Verhältnisse des 16. und 17. Jahrhunderts auch für den grössten Teil des 18. erhalten. Hie und da dürften wohl ausnahmsweise und unter An- Wendung aller Spezialgesetze gegen sie einzelne Juden vorübergehend nach Salzburg gekommen sein und Einlass gefunden haben. Sonst aber blieb ihnen nach wie vor jede, selbst interimistische, Fussfassung versagt. Die Erzbischöfe von Leopold Firmian ab, die Primasse von Deutschland, konnten sich mit Eecht brüsten, in ihrem schönen Lande nur über Katholiken zu herrschen. Gab es also solcherart um die genannte Zeit wie keine evangelischen so auch keine jüdischen erzbischöflichen Untertanen in Salzburg, so hat es statt dessen aber doch einen Salzburger Erzbischof gegeben, der dennoch auch jüdische Untertanen besass. Zwar nicht in seinem souveränen Gebiete, aber trotzdem in gewissem Sinne Untertanen, nämlich feudal abhängige Ansassen auf einer seiner Domänen. Dieser Erzbischof war Jakob Ernest, Graf von Lichtenstein, vorher Bischof von Olmütz, der in Salzburg bloss von 1745 bis 1747 regierte1). Zu seinen ausgedehnten Familien-Latifundien gehörte auch die sogenannte Graf Lichtenstein’sche Herrschaft zu, Hürben 2) und Krumb ach in Schwaben3). Auf diesem Besitze in Hürben waren, wie es scheint, schon seit langer Zeit Juden ansässig4). mögen daher im Rahmen des vorliegenden Werkes ihren gebührenden Platz finden. ף Zauner X 649, Pichler 589. 2) Der Ort Hürben existiert heute nominell nicht mehr. Hürben und Krumbach sind unter dem letzteren Namen vereinigt., s) Die ganze nun folgende Darstellung stützt sich auf eine bisher unbekannte handschriftliche Quelle, den Original-Akt einer Beschwerde der Christengemeinde zu Hürben gegen die Juden dortselbst beim Erzbischöfe von Salzburg. Wiewohl kein Datum tragend, geht doch aus Schrifc und Inhalt sowohl die Zeit der Ausstellung des Aktes als auch die Identität des in Frage kommenden Erzbischofs bis zur Evidenz hervor. Das Dokument befindet sich im Privatbesitze des Herrn Louis Lamm, Verlagsbuchhändler in Berlin. Im Anhang II: * Uikunden und Aktentexte“ Nr. 1 folgt der volle Wortlaut des interessanten Schriftstückes. ■ r ׳ . *) In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blühte dort ein ansehnliches