Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 179)
- Language
- German
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176 für die Salzburger Emigranten, die 88381 Gulden betrug, neben England, Hamburg, Dänemark, Hannover, Nürnberg und Holland beteiligt. So haben die Juden in einer für die Christenheit so bewegten Zeit, wiewohl selbst noch stark unter dem Drucke mittelalterlicher Ausnahmsgesetze und Vorurteile seufzend, in glänzender Weise Proben ihrer Grosszügigkeit und Hochherzigkeit abgelegt. Die Edelzeichen des jüdischen Stammes, Erbarmen und Mildtätigkeit, sind da wiederum einmal ganz und voll zu Tage getreten und haben die ihnen so oft angedichtete Christenfeindschaft Lügen gestraft. Wenn dies doch der alte Luther selber erlebt oder nur voraus geahnt hätte. Ob er da wohl auch sein Buch ״Von den Juden und ihren Lügen“ (1542) geschrieben hätte? Ob er sie da auch ״eine schwere Last, eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück“ genannt, sie den Zigeunern gleichgestellt und zu ihrer Vertreibung aufgefordert1) haben würde? —-— —-— — Die Juden, insbesondere die preussischen, fanden übrigens für ihr schönes, ruhmwürdiges Vorgehen neben dem Erbarmen auch noch in einem anderen Loyalitätsgefühl einen Grund: in dem Gefühle der Dankbarkeit für das evangelische Herrscherhaus der Hohenzollern. Wie bekannt, hatte einer der Ahnherrn dieser Dynastie, der grosse Kurfürst Friedrich Wilhelm, unter den Souveränen und Fürsten seiner Zeit am meisten den Mut gehabt, mit den eingefleischten Vorurteilen gegen die Juden zu brechen und die Ansässigkeit der Judenheit in seinem Lande anzubahnen2). In der Tat hätten denn auch die Juden dem damaligen König jüdischen Mildtätigkeiten. So z. B. — um nur zwei zu nennen —: Weber ״Denkmal an den evangel. Emigranten ans dem Salzburgischen“ Weimar 1732 S. 65, ״Ausführliche Historie der Salzburger Emigranten“, Leipzig 1732 Bd. II 69, 73, 102, Bd. HI 27, 211, 226, Bd. IV 79. Es sind aber zumeist nur kurze Berichte von einigen wenigen Orten. Eingehend und erschöpfend findet das edle Benehmen der Juden nur bei Göcking eine Würdigung. ף Luther v. d. J. Bl. D. 4 b. fg. 2) Er öffnete, besonders den 1670 aus Oesterreich Vertriebenen, die Mark Brandenburg. (VgL Grätz X 240-^244, Kaufmann: ״Die letzte Vertreibung..“ 206—230.)