Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 178)
- Language
- German
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175 Thaler belief. Als sie durch obgedaehtes Land reyseten, kamen die vornehmsten unter ihnen den Emigranten entgegen und überreichten ihnen das gesammelte Geld. Sie bedienten sich dabey dieser Worte: Die Umstände, in denen wir euch sehen, verursachen, dass wir an den Ausgang unserer Väter aus Egypten gedenken. Wir sind voller Verwunderung wegen der Ursachen, die euch angetrieben haben, euer Vaterland zu •verlassen. Wir bitten euch, dieses Geld anzunehmen, als ein Kennzeichen, dass wir Theil an euerem Zustande nehmen. Hierdurch wurden etliche unter den Berchtolsgadern so bewegt, dass sie voller Verwunderung ausriefen: Ist es möglich, dass diese Leute, welche man als Feinde anzusehen lehret, die Bruder selbst beschämen, welche wie wir an Jesum Christum glauben wollten und uns doch auf das heftigste verfolgen und fortjagen!“ Auch von den Erfahrungen, die die Dürnberger und andere Salzburger Emigranten bei den Juden in Holland gemacht, weiss unser Gewährsmann viel Schönes zu erzählen. ״Ein Jude von Fürth“, so berichtet er1), ״gab, welches der Commissarins mit seinen Augen sähe, über hundert Gulden her. Und der Banquier von der jüdischen Nation (!?■) zu Nimwegen, Benedict Lewi Gompers 2), erzeigete ihnen nicht nur alle Freundschafft, sondern theilete auch zwölfhundert Gulden unter sie aus, welche er auf Rechnung vieler Personen angenommen hatte.“ Die holländische Judenschaft war, wie Göcking schliesslich mitteilt3), auch noch bei der allgemeinen internationalen Kollekte .501 11 ף 2) Wahrscheinlich ein Mitglied der angesehenen Familie des Elia Gumperts (Gompertz) ans Emmerich, Schutzjuden des grossen Kurfürsten, Friedrich Wilheim, der, wie in Deutschland, sä insbesondere in Holland mit grosser Ehre behandelt wurde. (Vgl. Grätz X 241 und Anmerkung ebenda, ferner Kaufmann- Freudenthal: ״Die Familie Gomperz“. s) Göcking I 293. Die meisten dieser Berichte des nunmehr fast 200 Jahre alten und heute sehr seltenen Buches Göckings sind zum ersten Mal von Louis Lamm, in der ״Blätter für jüdische Geschichte und Literatur* hetitelten Monatsbeilage des ״Israelit* in Mainz zu No. 67 und 75 Jahrgang 1903 (Juli und August 1903) publiziert worden. Vollständig erscheinen sie erst hiermit zum ersten Mal. Ausser Göcking bringen anch noch andere zeitgenössische Historiker der Salzburger Emigration (das Ereignis hat bekanntlich eine ganze einschlägische Literatur gezeitigt) Mitteilungen von den geschilderten