Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 177)
- Language
- German
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174 in Neustadt Eberswalde an ihnen vergreiffen und auf das gute Geld, das er ihnen auswechselte und ungültige Müntze dagegen von ihnen annahm, gar zu viel Aufgeld nehmen. Sonst weiss man keinen Juden, der unseren Emigranten auf ihrer Reyse zur Last gereicht. § 2) Allenthalben, wo Juden wohnten, erwiesen sie diesen Flüchtlingen alle Liebe. Zu Bahn bat sich ein Jude von diesen Leuten zwölf Köpfe zur Verpflegung aus. Und als ihm seine Bitte gewähret wurde, speisete er und tränkte sie nicht nur nach seinem besten Vermögen, sondern er beschenkte auch einen jeden besonders mit etwas Gelde. § 3) In Frankfurt a. d. 0. baten einige Juden den Herrn Bürgermeister Thering inständig, dass er ihnen doch auch einige von diesen Flüchtlingen zur Verpflegung überliesse. Ünd ob sie gleich wegen der gar zu grossen Begierde der Frankfurt sehen Christen, diese Glaubensbrüder selbst zu verpflegen, hierinn ihrer Bitte nicht konnten gewehret werden, so suchten sie dennoch ihr Mitleiden gegen sie auf eine andere Art an den Tag zu legen. Sie sammelten nemlich zu zwey unterschiedenen mahlen unter sich eine Colleckte vor diese Pilgrim. Das erste mahl überlieferten sie zwantzig ßeichstbaler und zmn andern mahl brachten sie zehn Reicbsthaler, mit der Bitte, dass man solches von ihren Händen annehmen möchte. Auch in Danzig beschenkten die Juden unsere Emigranten mit Geld und auch anderen Sachen. § 4) In Königsberg legten sie auch Proben ihres Mitleidens gegen die Saltzburger ab. Unter anderen schenkte ihnen der Jude Moses Lewin zwey Oxthoff Wein, damit sich die Abgematteten auf der Reyse dadurch wiederum erquicken könnten. 0, dass sie doch auch nun zugleich auf die Wunder dieser Zeit merckten und sich bekehrten (sic) von der Finsternis zum wunderbaren Licht!״ Auf Seite 487 desselben Bandes berichtet Göcking, dass auch den Berchtesgadern im Hannoverschen in derselben Weise viel Aufmerksamkeit und Gute erwiesen wurde. ״— — — Die Juden bezeugten sich so liebreich gegen sie, dass die Emigranten sich nicht genug darüber verwundern konnten. Diejenigen die in der Land-Graffschaft Hessen-Kassel wohneu, sammelten unter sich eine Collecte, die sich über vier tausend