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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 174

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 174)
Language
German
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171 der Emigranten und beschenkten sie reichlich. Und in Weimar, allwo damals etliche Juden, in der Stadt waren, legten sie ihr Mitleyden und Wohltun au! eine ihnen sonst ganz ungewöhnliche Art (?!) zu Tage. § 4. So muss man die Freygebigkeit und das Mitleiden der Halberstädtischen Juden gegen diese Flüchtlinge rühmen. Diese legten 36 Thaler ireywillig unter sich zusammen und händigten solche dem Kriegsrath Ursins ein. Ja, ich habe die gewisse Nachrieht, dass dieselben, wenn man alles zusammenrechnet, was sie ihnen hier und dar in Halberstadt geschenket, heynahe anderthalb hundert Reiehsthaler ihnen zugewandt. Und das meiste, so haben sie von freyen Stücken und aus eigenem Antriebe, in dem Tempel ausrufen lassen: Der solle verfluchet sein, der den geringsten Profit an diesen Leuten suchte. § 5. In Halle spielte ein Salzburger mit einem neuen blanken Geldstücke. Ein Jude nahm es ihm weg, schenkte es ihm aber wieder und noch einen Betrag dazu. § 6. In Nauen stund eine Jüdin au! der Gasse, die einen Beutel mit Geld in der Hand hatte. Diese teilte aus ihrem Beutel allen und jeden mit, die vorbey gingen. Nun fand sich auch ein kranker Mann unter den Salzburgern, der nach der Apotheke ging, um sich daselbst Arztney geben zu lassen. Der Apotheker gab ihm auch dieselbe .ohne Entgelt. Die Jüdin, welche diesen kranken Mann ansichtig wurde, ging hinüber vor die Apotheke. Da er nun wieder herauskam, bot sie ihm auch etwas Geld an. Allein er weigerte sich solches anzunehmen und aller Bitten obngeaehtet, nahm er es doch nicht. Weil er nun sehr schwach war, nahm ihn der Oommissarius zu sich in seinen Wagen. Unterwegs fragte er ihn, warum er das Geld von der Jüdin in Nauen nicht annehmen wollte? Er gab aber zur Antwort: Er habe sie für eine Frau angesehen, die vielleicht ärmer wäre und das Geld nötiger hätte als er und desswegen glaube er, er würde gesündigt haben, wenn er das angebotene von ihr genommen hätte. § 7. Die Juden in Frankfurt a. d. Oder bezeugten eine gantz besondere Liebe gegen die Saltzburger. Sie reichten ihnen nicht nur eine Collecte dar, sondern sie baten auch recht inständig, der Herr Hofrath Thering möchte sie doch so viel würdigen, dass

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