Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 173)
- Language
- German
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170 sie reichten ihnen Bier und Brot und leisteten ihnen alle hülfliche Handreichung. Und da sie wegzogen, gaben sie ihnen, nach ihrem geringen Vermögen, noch Geld mit auf den Weg* * — — — — — __ — — ״In Donauwörth sagten die Einwohner zu den Emigranten: Diese ketzerischen Leute seien werth, dass man sie allzusammen auf dem Sehellberge aufhänge“ 1). Nicht viel besser lauten die Berichte von der Gastfreundschaft mancher der eigentliehen Glaubensbrüder in evangelischen Orten. So erzählt unser Gewährsmann von Freising (Oberbayern) und Rain (Schwaben): *In allen diesen Städten haben wir über Nacht gelegen. Es begegnete uns nichts Besonderes, aber , man machte uns das Brod kleiner. Das Bier mussten wir auch theuerer bezahlen und für die Fuhren mussten wir des Tags 3—4 Tbaler geben. Darauf kamen wir ins Schwäbische. Wir kehrten in einem Wirthshaus ein, dessen Namen mir aber nicht bewusst ist. Wir wurden von dem Pfleger dieses Ortes sehr hart gehalten. Wir mussten alle in einem Wirtshaus bleiben und keiner durfte von der Stelle gehen. Man wollte uns nicht eine Hand voll Stroh überlassen und niemand durfte etwas kochen2״). Wie. ganz anders klingt nun aber das, was Göcking von dem Benehmen der Juden zu verzeichnen hat. Es sei ihm im Folgenden selber das Wort erteilt. Obgleich seine breite, wortreiche Darstellungsweise oft ermüdend wirkt, entbehrt gerade ihr voller Wortlaut trotzdem nicht des Interessanten und Anschaulichen: § 3. In Harburg (Schwaben), Gunzenhausen (Mittelfranken), Weimar und Hildesheim trifft man auch dergleichen Exempel von den Juden, dass sie diesen Wanderern die Beschwerlichkeit ihrer Reyse zu versüssen gesuchet. Die Juden in Harburg beschenkten sie nicht allein, sondern erboten sich auch, ihnen .freye Herberge zu geben und sie in ihren Wohnungen aufzunehmen. Die Juden in Gunzen hausen sind selbst blutarme Leute. Aber demungeachtet brachten sie zwey Reichsthaler unter sich zusammen und trugen solche zu dem Commisario Göbel mit der Bitte, diese Kleinigkeit unter die Salzburger Emigranten zu vertheile1\. In Hildesheim erzeigten sich die Juden gleichfalls freygebig bey dem Durchzuge *) Ebenda I 305. *) Ebenda.