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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1923-01-01 · XV. (1923) · page 172

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XV. (1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 172)
Language
German
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169 die denjenigen verachten nnd verwerfen, umb dessen willen sie Frembdlinge und Pilgrime geworden?“ Dann fährt er fort: ״Gleichwohl ists doch wider aller Vermuten geschehen. Die Jnden haben diesen Glaubenshelden an vielen Orten Liebe erwiesen, fast an keinem eintzigen aber ihnen das geringste Leyd zugeiüget. Es hat mir die Antwort insonderheit wolgefallen. die ein Jade an einem gewissen Orte jemanden gegeben, da er gefragt worden: Warum er diese Leute so reichlich beschenke, da es doch Christen wären? Es bestund dieselbe darinn, dass er sagte: Es wären aber doch Menschen und wären auch nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen. Gott aber habe befohlen, man solle sich gegen Frembdlinge gütlich bezeugen. Und er stelle sich das Exempel seiner Vorfahren dabey vor, als sie aus Ägypten gezogen1). Denen würde es ohne Zweifel sehr gut gefallen haben, wenn ihnen andere anf ihrer Reyse gütlich gethan und sie erquiket hätten* *2). Und nnn erzählt er ״dem geneigten Leser*, was er an konkreten Fällen von den Wohltaten der Juden weiss. Charakteristisch ist im Gegensatz hiezu sein Bericht von den Erfahrungen der Exulanten bei den Katholischen, den ״Papisten*, und noch mehr seine Nachrieht ״von der Aufnahme dieser vertriebenen Leute bey den Evangelischen, als ihren Glaubensgenossen.* In rühmenswerter, objektiver Weise verschweigt Göcking weder die vorgekommenen Roheiten der ersteren noch die betrübenden Lieblosigkeiten der letzteren. Sie mögen daher hier, vor der Wiedergabe seiner Judenberichte, ihren Platz finden. Das Vorgehen der Juden wird hierdurch in ein umso helleres Licht gerückt: ״Denn Anfang davon“ so schildert er das Benehmen der Christen in manchen katholischen Dörfern3), ״macht das Dorff Klein-Noerdlingen. Hier konnten die Emigranten keinen Tropfen Wasser kriegen, ob sie gleich es für Geld zu erkaufen sich erboten. Die Papisten hatten alle Eymer von den Brunnen abgenommen. Dies erfuhren die dortigen Juden. Weil nun dieselben ihren eigenen Brunnen haben, so führten sie die Emigranten selbst dorthin und Hessen ihnen schöpfen, so viel sie wollten. Ja, was noch mehr, ג) Er hätte auch sagen können: ״als sie aus Salzburg gezogen“ —. 8) Göcking I 561 § 1. *) Ebenda § 2.

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