Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 170)
- Language
- German
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167 Es ist auch anzunehmen, dass die zu schildernde Erfahrung, die damals Salzburger Christen in ihrer Not mit den Bekennern des Judentums machten, nicht bloss die Vorurteile dieser gegen die Juden zerstreute, sondern, wie überall, wohin die Knnde hiervon drang, auch in Salzburg selbst die dort fast erbgesessene Judenfeindschaft milderte. Wenn nach dieser letzten Emigration *ein sanfteres Jahrhundert die Zeiten Leonhards verdrängte und mildere Weisheit brachte" ebenso für Lutheraner wie für Juden, so, dass die ehemals so grausam Verfolgten und Gehassten wieder verhältnismässig ״freundliche Aufnahme fanden"1), so darf dies ohne Zweifel nicht bloss auf das Konto des Aufklärungsgeistes im 18. Jahrhundert, der auch Salzburg und seine Fürsten streifte, gesetzt werden, sondern auch auf die Folgen des Verhaltens der Juden gegenüber den vertriebenen, unglücklichen Salzburgern: In allen Orten Deutschlands, durch die die grosse Gemeinde der Salzburger Exulanten zog, bekundeten ihr nämlich die Juden in unvergleichlicher schöner Weise ihre hilfsbeflissene Menschlichkeit und ihr edles, erbarmungsvolles Mitgefühl. Den Juden erscheint dieses abrabamitiscbe Vorgehen ihrer deutschen Vorfahren als etwas Selbstverständliches, umsomehr erstaunt und von Verwunderung ergriffen ist jedoch ein christlicher Zeitgenosse der Geschehnisse, ein von den Ereignissen Mithetroffener. Es ist der Chronist der Salzburger Emigration, Göeking. In seiner zweibändigen Emigrationsgeschichte der Salzburger Lutheraner2) widmet er voller Überraschung dem Verhalten der Juden den bedauernswerten ״Pilgrimen" gegenüber reichliches Lob und unverhaltene Anerkennung. Er ist von Haus aus alles weniger denn eig Philosemit. Er ist, im Gegenteil, dem Judentnme geradezu abhold, da es ״gar so verstockt und blind ist4' 3).' Aber gerade 1) Hübner II 397-398. 2) Vgl. den vollständigen Buchtitel im ״Literaturverzeichnis“ Bd. I 219. 3) ״Man mache einmal die Probe“, lässt er sich in einer seiner Anklagen des jüdischen Glaubensstarrsinnes vernehmen, ohne zu merken, dass er den Juden damit das denkbar schönste und beste Zeugnis ausstellt, ״an einem irrigen Juden, der noch auf einen künftigen Messiam wartet, und suche ihn von seinem Irrwege abzubringen. Man bemühe sich, so viel man will, ihn eines besseren zu überreden und man gebe acht, was sich für Schwierigkeiten