Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 169)
- Language
- German
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166 hundertfach verstärkten Ersätze andere, weit gefährlichere ״ketzerische״ Konfessionen1) sich ausbreiteten und den Machthabern Schwierigkeiten bereiteten, so kann es trotzdem nicht Gegenstand dieses Buches seip, sich näher mit der Geschichte der Salzburger Religionskämpfe zu beschäftigen. Haben sich die Religionskämpfe innerhalb der Christenheit, selbst in den Gebieten, wo damals Juden ansässig waren, nur sehr wenig direkt und positiv mit der Judenheit berührt, so war dies umso mehr in einem Gebiete wie Salzburg der Fall, wo es damals überhaupt keine ansässigen Juden gab 2). Wenn nun aber trotzdem im Folgenden von der letzten Emi־ gration der Lutheraner aus Salzburg im Jahre 1731/32 unter der Regierung Erzbischof Leopold Firmians die Rede sein soll, so geschieht es sus dem Grunde, dass sich dieses traurige Geschehnis denn doch nach einer Richtung hin mit Juden und Judentum herührte. Zwar nicht mit Juden in Salzburg selbst, aber mit Juden, die Salzburger Christen Gelegenheit gaben, sich von Juden und Judentum eine bessere Meinung als die von ihnen bis dahin gehegte zu verschaffen. *) Es fehlte keine einzige Farbe des bunten Sektenwesens jener Zeil im Kulturbilde des Salzburgischen Landes. Vgl. z. B. Loserth: ״Zur Geschichte der Wiedertäufer in Salzburg“. Mitteil. d. G. f. S. Lk. 1912 Heft I 35 und Ziilner: ״Salzburgische Kulturgeschichte“ (1871) 230—234. 2) In seinem Romane: ״Der Primas von Deutschland“ (Wien 1908, Konegen) gefällt ,es zwar Hans Kirchsteiger, von ansässigen Juden in Salzburg zur Zeit der grossen Emigration unter Erzbischof Firmian zu sprechen. Es sind natiirlieh wieder die unvermeidlichen Leibjuden und Geldleiber, die es nur zu gut verstanden haben sollen, sich den adeligen Vertretern der Kirche unentbehrlieh zu machen, ״um nicht mit ihren Glaubensgenossen das Schicksal der lutherischen Bürger und Bauern teilen zu müssen“ (S. 61). Aber das ist nichts weiter als eine Phantasie, das Produkt der poetischen Lizenz, von der Kirchsteiger ausgiebigen Gebrauch macht. Es entbehrt jeder historischen Grundlage, wenn er sogar von der ״ruhigen Heimstätte der Juden in der finsteren Judengasse“ spricht und von ihrem ״Rechte auf heiligem Salzburger Boden leben und handeln zu dürfen“ (S. 60). * Als ob damals die Jaden nicht schon mehrere hundert Jahre verbannt uDd vor ihrer Verlreibung auch des Erzbischofs Leibeigene gewesen wären, lässt er sich vernehmen: ״Die leibeigenen Bauern kann man vertreiben, vernichten, aber ein Leibjude ist für die Kirchenfürsten unentbehrlich“ (S. 61).