Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 168)
- Language
- German
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165 Man kann wiederum nur vermuten, dass vielleicht der damalige Landesfürst — Erzbischof Johann Eraest (1687—1700) — ausnahmsweise einen Juden aufnahm oder zumindest seinen Aufenthalt im Lande stillschweigend oder begünstigend duldete, wogegen sich die Landstände, auf deren Initiative ja 1498 die Yeitreibung der Juden erfolgte*), verwahrten und gegen das Vorgehen des Landes• herrn protestierten. Beschwerden der Landstände gegen Erzbischof Johann Ernest kamen auch sonst in dieser Zeit vor* 2 * * *), vielleicht betrafen sie auch die vermutete Angelegenheit. Jedenfalls steht die Tatsache fest, dass es um 1695 unter der Regierung des Erzbischofs Johann Ernest wiederum einen, möglicherweise auch mehrere Salzburger Juden gegeben hat, die — offenbar mit wenig Glück — versuchten, in Salzburg Fuss zu fassen. Zweites Kapitel: Die letzte Emigration der evangelischen Salzburger und die Juden (1731/32) 8). Es ist bisher absichtlich der Ereignisse sehr wenig und nur nebenbei gedachl worden, die innerhalb der 300 Jahre seit der Vertreibung der Juden aus Salzburg bis zum Ausgange des 18. Jahrhunderts infolge der Reformation und Gegenreformation das Land erschütterten. Wenn auch die Tatsache nicht der Merkwürdigkeit entbehrt, dass just das stockgeistliche Salzburg, das zur Fernhaltuug jedes nichtkatholischen Bekenntnisses seit jeher die denkbar peinlichste Vorsicht walten liess und schliesslich auch die Juden vertrieb, doch unvergleichlich mehr als so manches andere, ungleich grössere und weniger vorsichtige Gebiet vom Sektenwesen der Zeit allerhand zu leiden hatte; wenn es auch nicht uninteressant ist, zu betrachten, wie gerade seit der Vertreibung der Juden und während der Dauer ihrer strengen und fast völligen Fernbaltung wie zum ף Siehe Bd..I 172, 173, 174, 187. 2) Pichler, Kapitel ״Johann Ernest“. s) Unter dem Titel: ״Christliche Flüchtlinge und jüdische Wohltäter vor etwa 200 Jahren“ vom Verfasser in Dr. Blochs Oester. Wochenschrift Nr. 11 und 13 vom 16. und 30. März 1917 erschienen.