Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 164)
- Language
- German
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161 Alle Erzbischöfe nach Leonhard waren denn doch nicht blinde Fanatiker und absolute Todfeinde aller akatholischen Menschen. Es ist zweifellos anzunehmen, dass, sobald minder engherzige Kirchen fürsten auf dem Rupertstuhl sassen, auch gegen die Judenannäherung mit gemilderter Strenge vorgegangen wurde. Wenn wir in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts schon von Juden hören, die im Lande umherzogen und den Hausierhandel yund sonstige Geschäfte, wenn auch in beschränktem Masse, trieben1^ so war dies ohne Zweifel das Entwicklungsprodukt einer auch schon vorher begonnenen Annäherung. Gewiss haben auch schon in manchen Zeitpunkten des 17. und eingehenden 18. Jahrhunderts vereinzelte Juden in Salzburg mehr oder weniger interimistischen Einlass gefunden, eben je nach dem Verhalten mancher der Erzbischöfe ihnen gegenüber. Soweit bekannt ist, hat in der erwähnten Reihe der Landesherren allerdings nur Erzbischof Hieronymus ein offenkundiges judenfreundliches Verhalten an den Tag gelegt. Nichtsdestoweniger wird es auch schon vorher manche den Juden wenigstens prinzipiell nicht abholde Erzbischöfe in Salzburg gegeben haben. Ein solcher war z. B. auch Marcus Sitticus, Graf von Hohenems (1612—1619). Direkte Judenbegünstigungen in Salzburg sind freilich auch von ihm nicht bekannt. Solche waren auch in seiner Zeit von einem souveränen Kirchenfürsten in einem Gebiete wie Salzburg gar nicht zu erwarten. Die Stürme der Reformation, die schon unter seinen Vorgängern das Land zerrütteten, zitterten fortgesetzt nach und gaben Marcus Sitticus besonders in Gastein und Pongau ein gar schweres Stück Abwehrarbeit. Ketzerei und Sektenwesen allerhand, die Umtriebe verschiedenerlei herumstreifenden Gesindels und dergleichen Sorgen mehr Hessen ihn nicht zur Ruhe kommen. Zudem erblickten seine Untertanen und mit diesen er selber den Grund alles damaligen wirtschaftlichen Elends in dem ״!ästigen“ Fremdenelement überhaupt. Marcus Sittikus meinte denn auch (im Gegensatz zu seinem klugen Vorfahren Pilgrim IIי)) nicht umhin zu können, die Duldung gegen fremde Hausierer und Handelsleute ף Siehe S. . 2) Vgl. Bd. I 92—93. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft XV, 11