Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
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160 in Salzburg mit mehr Härte als anderswo eingehoben und gestaltete sich, selbst noch in einer späteren humaneren Epoche, oft zu einer schikanösen Handhabe der rohen, judenfeindlichen Zollbeamtenschaft1). Zu alledem war Salzburg auch schon im 16. und 17. Jahrhundert in kommerzieller und wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr das, was es früher einmal war, um auf die Juden, die sonst wohl für ihren Lebenserwerb Opfer der Waghalsigkeit zu bringen pflegten, einen Anreiz auszuüben. Die Bauernkriege, die Reformationskämpfe mit den bitteren Folgen des 30jährigen Krieges hatten diesem, von Natur aus ohnehin armen Lande, das Mark aus den Gliedern gesogen. Die Landesherren, statt an eine Erstarkung und Kräftigung der Bevölkerung durch Hinzuziehung rührigen Menschenmaterials mit kommerziellen Mitteln und Unternehmungsgeist zu denken, gaben sie sich in ihrer Eigenschaft als geistliche Herren naturgemäss hier weit mehr als manche andere anderwärts der fanatisierten Zeitbewegung hin und opferten in erschreckendem Masse die Volks- und Landeswohlfahrt, die Ruhe und Entwickelqng dem Moloch der ßeligionskämpfe. Mit Recht klagt ein Salzburger Historiker in der ausgehenden Zeit der erzbischöflichen Souveränität 2): ״Immer vertrieben die Erzbischöfe nur ihre wohlhabenden und gewerbsamen Untertanen. 1348 und 1498 die Juden, reiche Handelsleute und Gewerken in den Perioden von 1413, 1521, 1544 und 1588, die Töferecker 1684, den Kern der Pongauischen Güterbesitzer, Berg- und Salinenbesitzer 1739—1740. Das phantastische Auswanderung«- Mandat des raschen Wolf Dietrich (3. September 1588) erhielt ein würdiges Seitenstück in jenem des Erzbischofs Anton Leopold 1730 für die Unbeflecktheit des römisch-katholischen Gebiets. Nur die wohlhabenden und edleren Menschen haben den Mut, ihre Ueberzeugung auszusprechen. Für die Ausgewanderten zog grösstenteils nur Gesindel ein; dafür sorgten schon die benachbarten Regierangen.“ Indes kam es, wie immer und überall, auch in Salzburg auf die Individualität des Machthabers an, auf seine persönlich charakteristische Handhabung wie aller, so auch der Judengesetze. ף Siebe S, , . 2) Koch-Sternfeld: Die letzten dreissig Jahre 175—176. ־ \ J