Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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118 Epochen auf einander folgten und einander nicht ausschliessen. Nach welchem Gesichtspunkt ist nun obige Reihenfolge angeordnet? Das denke ich mir in folgender Weise: Vorangehen die beiden Begründungen, die den Anlass geboten haben, gerade an diesem Tage Zusammenkünfte zu veranstalten, bei welchen die heiratsfähige Jugend beider Geschlechter sich kennen lernen sollte, nachdem die vorher bestandenen Ehehinder־ nisse beseitigt waren. Dass diese beiden Begründungen ursächlich Zusammenhängen, steht ausdrücklich »im Buche der Richter 21,19: ״ הנה חג ה׳ בשלו מימים ימימהSiehe es ist ein Fest des Ew. alljährlich in Schilo.“ Dieses Fest wurde damals eingeführt, als die erste Ehebeschränkung aufgehoben wurde und es war nur natürlich, dass man dieses Fest benützte, um den Freiern vom Stamme Binjamin Gelegenheit zu bieten, sich eine Ehegattin aus der Reihe der Jungfrauen zu wählen. R. Jochanan, der dritte in der Reihe der Autoren, greift zurück auf den Ursprung und sagt: Der Tag des 15. Ab war bereits früher ein Freudentag; denn an ihm hat das Sterben in der Wüste aufgehört. Er war dadurch schon früher ein allgemeiner freudiger Erinnerungstag für ganz Israel. Als dann das Eheverbot zwischen den Stämmen aufgehoben wurde, hat man ihn nach dem Grundsatz מגלגלין זכות ליום זכאי zum Tage der Freierwerbung erwählt. Ulä, der vierte in der Reihe, fügt hinzu: Diese Volkssitte wäre erfabrungsgemäss im Laufe der Jahrhunderte allmählich verblasst und in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht durch ein neues freudiges Ereignis wieder aufgefrischt worden wäre. Ein solches freudiges Ereignis war die Aufhebnng der Grenzsperre, die Jerobeam aus politischen Gründen eingeführt hat, um die Wallfahrt nach Jerusalem zu verhindern. Die beiden durch die Grenzsperre entfremdeten Volksteile konnten sich wieder einander nähern und eheliche Bündnisse mit einander schliessen. Das Freudenfest des 15. Ab mit seinen fröhlichen Veranstaltungen wurde dadurch wieder neu belebt und aufgefrischt. Und so mag es geblieben sein bis zur Zerstörung des ersten Tempels. Nunmehr hiess es: ויהי לאבל כגורי ועוגבי לקול בוכים (Echa rabbati a. a. 0.) Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass diese Volksfeste bei der Wiederkehr aus der babylonischen Gefangenschaft ihre Wieder-