Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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89 Am 5. Dezember 1775 wurde Leon Goodmann ein ״Jude“ aus London in die medizinische Fakultät anigenommen. Sein Vater war der Kaufmann Heinrich Goodmann. Ein Tobias Goodmann wird in London als Prediger, Übersetzer aus dem hebräischen und Verfasser von Schriften, die das Judentum betreffen, seit 1806 genannt 1). Am 6. Dezember 1776 wurde Hertz Markus Schlesinger hei der medizinischen Fakultät aufgenommen. Sein hebräischer Name war נפתלי הערץ בן ד מורי כ״ץ. Sein Vater Markus Moses Schlesinger war ein hochangesehener gelehrter Kaufmann in Frankfurt an der Oder, der 1763 dem Beschlüsse der in Frankfurt versammelten Rabbiner beitrat, die den Talmud druck Sulzbach gegen die Amsterdamer Drucker Proops verteidigten. Hiernach ist die Mitteilung Landaus in seiner Geschichte der jüdischen Aerzte S. 98 unrichtig, dass Herz etwa 1755 in Amsterdam geboren sei, in Holland Medizin studiert habe und sodann eine Studienreise durch einen grossen Teil Deutschlands unternommen habe. Die Richtigkeit dieser Angaben beanstandet bereits Steinschneider gegenüber Carmoly, augenscheinlich der Quelle Landaus. Vielmehr ist Schlesinger um 1745 bis 1750 geboren, war 1764 oder kurz zuvor Baehur in Hambürg-Altona, ob auf der Talmudschule des R. Jonatan Eibensehütz, wird nicht gesagt, praktizierte seit 1779 in Warschau und sodann in Frankfurt an der Oder. Hier wurde er Hospitalarzt der jüdischen Gemeinde. Er ist Verfasser der Schrift שאלת חכם über frühzeitige Beerdigung und Scheintod. Das in hebräischer Sprache geschriebene Büchlein umfasste zwei Teile in 42 Blättern (8°) und erschien 1797. Im ersten Teile wendet er sich mit balachischen Gründen gegen die Beerdigung am Sterbetage. Unter dem Titel קונטרס השגות befinden sich im Anhänge zum ersten Teile Widerlegungen des R. Jehuda Löb Margolies, der 1798 Rabbiner in Plotzk war. Im zweiten Teile spricht er über die Zeichen des wirklichen Todes und die Massregeln, die sich daraus ergeben. Derselbe Rabbiner sagt von ihm, daks er grösstenteils damit beschäftigt sei, die armen Kranken ohne Honorar zu behandeln, und dass er ihnen die Medikamente kostenlos gebe. Dieser ״auctor celeber“, kurz darauf Rabbiner in Frankfurt a. 0., nennt ihn seinen Freund. Das Pflichtgefühl *) Univ.-Matr. II 461, Jew. Enc. VI 45.