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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1921-01-01 · XIV. (1921) · page 257

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIV. (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 257)
Language
German
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249 An die dritte Partei, die zum Verhängnis wurde und die aus inneren Feinden des jüdischen Volkes bestand, an Agrippa II und seinen Anhang denkt man nicht. Wären Laqueur die Untersuchungen Halevy’s zugänglich gewesen, 80 hätte er das, was dort über die hellenistische Partei unter den Juden (die Sadduzäer) gesagt ist, sicherlich in seine Darstellung der inneren Entwicklung des Josephus verwoben. Mit einem neuen äusserst fruchtbaren Gedanken greift Laqueur das alte vielbehandelte Problem der Widersprüche in den Schriften des Josephus an. Diese Wider- Sprüche gehen erst in zweiter Linie auf die dem Schriftsteller vorliegenden verschiedenen Quellen zurück; — bis jetzt der fast alleinige Lösungsversuch — hauptsächlich sind sie verursacht durch die wechselnden persönlichen Interessen des charakterlosen Mannes. In der Benennung ״Jüdischer Krieg״ sieht der Kenner römischen Schrifttums nicht einen Krieg der Juden gegen die Römer, sondern den Krieg der Römer gegen das jüdische Volk. Und vom Standpunkt der Römer aus schildert der Günstling der Vespasian, Titus und Agrippa II den Verzweiflangskarapf der Juden, sich dabei oft als grösserer Feind der Verteidiger Jerusalems zeigend, als die römischen Geschichtsschreiber. Mit dem Regierungsantritt Domitians verlor er die kaiserliche Gunst und sucht sich wieder den Juden zu nähern, denen er durch seinen Verrat nnd seine Schrift in gleicher Weise verhasst sein musste. Die Archaeologie verdankt teilweise ihren Ursprung dem Versuch des jetzt zwischen zwei Stühlen sitzenden Autors die Gunst seines Volkes wiederzugewinnen. Ein weiterer Grund für Josephus den Römern die Geschichte der Juden darzustellen, liegt in literarisch geschäftlichem Interesse. Hier kommen wir zu einem wertvollen Fund Laqueurs. Epapbroditas, dem die Archaeologie, wie auch andere Schriften, gewidmet sind, ist ein grosser römischer Verleger der, bei der nach dem Kriege in Rom wachsende Aufmerksamkeit für jüdische Dinge, den Auftrag für die Archaeologie gibt. Josephus den die kaiserliche Gnadensonne nicht mehr wärmt, umschmeichelt jetzt seinen Auftraggeber, den Epaphroditus. Doch auch diesen neuen Gönner fürchtet er zu verlieren. Justus von Tiberias kommt nach dem Tode Agrippa II, im j Jahre 00 4”י, mit seiner in blendendem Stil geschriebenen Geschichte des jüdischen Krieges heraus, in der er die Eignung desJosephus, über üdische Dinge zu schreiben, in Abrede stellt. Glänzend führt

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