Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1921-01-01 · XIV. (1921) · page 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIV. (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 256)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3486266-3486289--5779-3492151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

248 Refches machen sollte. Dass es überhaupt zu der für die Römer sehr verlustreichen Belagerung Jerusalems kam, geschah durch die Umtriebe Agrippa II und seines ihm zur Seite stehenden Schwagers Titus. In Rom wurde die Frage aufgeworfen, wem die Schuld an diesem gefahrvollen Kriege zuzuschreiben sei, der einen im Verhältnis zu den Opfern nur geringen politischen' Gewinn bringen konnte. Die öffentliche Meinung schrieb die Verantwortung in erster Linie dem zweiten Agrippa zu. Der jüdische Krieg des JosOpfans ist eine Verteidigungsschrift, um Agrippa und damit auch Titus zu entlasten. Da es Halevy nicht mehr vergönnt war, diese seine These eingehend zu begründen, so werden wir unser Augenmerk darauf richten müssen, ob nicht neuere Forscher in ihren Ansichten der Annahme HalevyV nahekommen. Vor allem tritt uns hier; das schöne Buch Richard Laqueurs entgegen. Laqueur ist mit sich über den schlechten Charakter des Josephus vollkommen einig, und sucht die Widersprüche in dessen Werken aus Seinen im Laufe der Zeit wechselnden persönlichen Interessen zu erklären. Sehr nahe kommt er der Ansicht Halevy's durch seine Feststellung, dass der Kern der Vita ein Rechenschaftsbericht sei, den Josephus seinen Auftraggebern über seine Tätigkeit ln Galilaea gesandt habe, und dass dieser Rechenschaftsbericht noch nichts von einem Kriege gegen die Römer wisse. Josephus sei zur Bekämpfung der ״Räuber", eigentlich chauvinistische Nationalisten, — Laqueur sagt einmal nationale Bolschewisten—ausgesändt worden. Statt diese zu bekriegen und niederzuwerfen habe er sie durch Geld, das er Bewohnern Galilaeas entlockte, und durch Verträge zu ruhigem Verhalten gebracht. Durch diese gewonnenen Räuber habe er sich zugleich eine Söldnerschar geworben, auf die gestützt er der Tyrann des ihm zur Beruhigung übergebenen Landes wurde. Laqueur geht so weit, dass er dem Josephus, der sich in die Abhängigkeit der wilden Chauvinisten begeben, die Schuld am Kriege aufburdet. Um diese Schuld zu verschleiern, habe er den Kriegsbeginn auf das Jahr 66 vordatiert, eine Zeit, wo von einem römischen Kriege noch keine Rede war. Laqueur kommt Halevy’s Ansicht, urie man sieht, ziemlich habe; ihm fehlt nur die Kenntnis der Partei der Herodianer. Wenn vom jüdischen Kriege gegen Rom gesprachen wird, begegnet man gemeiniglich zwei Parteien, den Gemässigten und den Kriegsfreunden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.