Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 258)
- Language
- German
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250 L'aq[üeur den Nachweis־,׳.dass in Justus weniger der politische Gegner, als in erster Linie der literarische und geschäftliche Concurrent zu erblicken ist. Justus schildert dabei den Josephus als einen hellenistischen Juden, der nicht aus den hebräischen Quellen schöpft, sondern die Septuaginta zur Grundlage seines jüdischen Wissens macht. Nun erscheint die Vita als Verteidigungsschrift. Sehr anziehend ist es, wie Laqueur als Kern der Vita den alten Rechenscbaftsberieht über die erste Tätigkeit zur Bekämpfung der *Räuber״ in Galilaea herausschält, und nachweist, dass Josephus damals noch nicht an einen Krieg gegen Rom denkt; im Gegensatz zum Bellum, worin er es so darstellt, als wenn er von der Regierung in Jerusalem als Stratege gegen die Römer bestellt worden sei. Hier kommen wir zur kritischen Vergleichung der einzelnen Schriften des Josephus. Ob man mehr oder weniger der Schilderung des Entwicklungsgangs des Josephus beipflichten wird, das Nebeneinanderstellen der Aussagen und Auffassungen in den einzelnen Büchern, geschieht mit soviel Gründlichkeit und Sachkenntnis, dass ich mit der Arbeit Laqueurs eine neue Epoche in der Josephusforschung beginnen sehe. Die eingehende Behandlung des vierzehnten Buches der Archaeologie, welches das Emporkommen des Antipater und Herodes zum Gegenstände hat, scheint hohen Lobes wert. Überraschend ist es, wie wir dabei aus dem Freunde des Herodes im Bellum seinen Feind werden sehen, in einer Zeit wo der Schriftsteller von Agrippa II, dem Freunde des verstorbenen Kaisers Titus, nichts mehr zu fürchten und zu hoffen halt - Für viele wird es reizvoll sein, der Aufforderung des Verfassers folgend, die anderen in Betracht kommenden Bücher der Archaeologie ähm lieh zu behandeln. Die Arbeitsmethode Laqueurs hat unsere rückhaltlose Bewunderung, wenn wir auch in manchen Punkten seiner Darstellung nicht mit ihm einig gehen. So ist es nicht unsere Ansicht, dass erst das Erscheinen der Bibelübersetzung des Aquila den Angriff des Justus von Tiberias wegen des Benutzens der Septuaginta als Quellenschrift hervorrief, noch weniger natürlieh das zu seiner Zeit eine grössere Anhänglichkeit an die jüdische Religionslehre, wie früher, zu bemerken sei. Auch das können wir nicht für glaubhaft ^halten,dass Josephus nachdem er die Gefolgschalt der gesetzestreuen Juden verloren hatte, um die Christen