Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 234)
- Language
- German
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220 Die Angaben Tobias, dass er und sein Genosse Gabriel die ersten gewesen seien, die in Frankfurt studiert hätten, sind demnach keineswegs erschüttert. Im Gegenteil. Aus seinem Berichte über seine dortige Studienzeit können wir ersehen, dass es für Juden ein bisher jungfräulich gebliebener Boden war, den er betrat, und dass die beiden Musensöhne als Pioniere ihrer Glaubensbrüder gelten müssen. Er erzählt1): ״Gott verlieh uns beiden Gunst . . in den Angen des grossen Herzogs von Brandenburg, der seine Gnade den Juden zuwandte und anordnete, dass die Spitzen der Universität in der Stadt Frankfurt an der Oder unB mit Wohlwollen aufnehmen sollten, die Wissenschaften in ihren Forschungshäusern zu erlernen. Zudem gab uns der genannte Herzog alljährlich unser Stipendium, um unseren Wunsch zu erfüllen. In Wahrheit thaten uns die gelehrten Herren der Universität grosse Ehre an. Tagtäglich disputirten sie mit uns in Giaubenssachen mit Scharfsinn und grosser Ausführlichkeit nach ihrer Gepflogenheit. Manchmal beschämten sie uns, indem sie sagten: ״Wo ist denn eure Weisheit? Eure Einsicht ist längst von euch genommen und uns gegeben, denn keiner unter euch weiss, wie lange noch. Unter euch ist keine Kenntnis der Wissenschaft. Hieran könnt ihr deutlich erkennen, dass Gott nicht in eurer Mitte weilt, darum ist eure Weisheit zu gründe gegangen und verstunken. Hiermit kränkten sie uns jeglichen Tag. Wir wurden mehr an Schmähung als an Ehre satt. Wäre nicht die Gnade Gottes und seine Hilfe, so hätten wir das Haupt nicht erheben und ihnen antworten können, denn wir waren an derlei Disputationen nicht gewöhnt, wenn wir auch, Gott sei Dank, der heiligen Schrift, des Talmud und des Midrasch kundig waren, dennoch — im Disputieren mit ihnen waren wir arm.“ Wenn keiner der späteren Studenten mehr aus Frankfurt über solche Drangsalierungen berichtet, ist dies eine weitere Stütze für die Annahme, dass man in diesen ungewohnten zwei ersten jüdischen jungen Leuten Objekte für den Bekehrungseifer sah, der sich nach vergeblichem Bemühen abgekühlt hat. Bei diesen zwei und den zwei folgenden Studenten wird ausdrücklich hervorgehoben, dass sie mit besonderer Erlaubnis des Kurfürsten bezw. des Königs immatrikuliert worden seien; ein weiterer Beweis dafür, dass vor 0 0 .« טעשה טוביה. vor*.