Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 193)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3486266-3486289--5716-3492088- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
185 war eine solche Kriegsnotwen dfgkeit in Anbetracht der herannahenden Heere Sanheribs, wie wir es im Texte ausdrücklich lesen. Sie fand daher die Zustimmung der Weisen. Die Verschüttung der Gichonquelle aber muss einer späteren Zeit angehört haben, als eine augenblickliche Kriegsgefahr nicht mehr bestand. Der beste Beweis liegt darin, dass gleichzeitig der sehr lange Tunnel gebaut wurde, welcher das Wasser in die Stadt leiten sollte. (Vgl. Chronik a. a. 0.) Es ist doch sicherlich nicht anzunehmen, dass man angesichts einer unmittelbar drohenden Kriegsgefahr an die Herstellung eines Werkes ging, welches Monate, vielleicht Jahre in Anspruch nehmen musste. Die Verschüttung der Gichonquelle fällt offenbar in eine Zeit, wo Sanherib bereits seine Niederlage erlitten hatte und keine augenblickliche Kriegsgefahr drohte. Sie war eine Verteidigungsmassnahme für spätere Zeiten, wenn wieder einmal ״die Könige Aschur's“ gegen Jerusalem heranziehen sollten. Wir kommen nunmehr auf Baschis Worte zurück und glauben, dass diese Unterscheidung auch in seinem Sinne ist. Was hindert uns denn daran, das anzunehmen? Doch nur das eine, dass Raschi zu סתם מי ניחון die Erklärung hinzufügt ב׳ ל״ס למק לא m> בדבתיב יבואו מלכי אשור וימצאו מים לשתות, während dieser Vers gleich am Anfang des Kapitels bei der Verschüttung der anderen Quellen im Texte steht1). Doch diese Annahme ist nicht richtig. Denn Raschi zitiert in Wirklichkeit nicht den Bibelvers. Er macht vielmehr hier eine doppelte Bemerkung. Zunächst gibt er die Quelle an, wo das סתם מי גיחון steht und verweist auf den Vers 2 Chr. 32, 30, wo es heisst: והוא יחזקיהו סתם את מוצא מימי גיחון. Das meint Raschi mit den Worten בדכתיב דברי הימים. Sodann fügt er aus Eigenem eine Bemerkung hinzu — allerdings in sprachlicher Anlehnung an Vers 4 ds. — über den Beweggrund, der Chiskija bei seinem Handeln geleitet hat, nämlich למק לא יבואו וכד. Zum Beweis dafür, dass Raschi hier nicht den Bibelvers zitiert, vergleiche man den Wortlaut der beiden Sätze. Im Bibel- ף Auf diese Annahme basiert auch die Frage des ירש״ש nämlich, dass di• von Raschi augeführte Verheissung וגנותי וכך׳ doch erst za einem späteren Zeitpunkt gegeben wurde, als die Verteidigungsmassnahmen der heiligen Stadt und damit die Verschüttung der Quellen bereits erfolgt waren.