Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1921-01-01 · XIV. (1921) · page 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIV. (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 176)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3486266-3486289--5699-3492071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

168 ßaschi dergleichen behauptet? Dieser sagt doch nur, dass der Verleumder zur Bekräftigung seiner Worte einen Imbiss zu sich nimmt, von dem Empfänger der Denunziation spricht doch Raschi gar nicht. Sein hauptsächlichster Einwand, Nebukadnezar und Därius hätten den Angebern keinen Imbiss angeboten und auch keinen Glauben geschenkt, ist geradezu unbegreiflich. אכל קרצץ war doch eine übliche Redensart, wie aus den vielen angeführteu Stellen ersichtlich ist, und Raschi will doch nur die Entstehung dieser Redensart erklären. Es ist ihm aber sicherlich fern gelegen zu behaupten, dass überall, wo diese Redensart vorkommt, dieser Brauch auch wirklich geübt wurde. Die Redensart כרת ברית einen Bund zerschneiden statt ״schliessen“, wie wir sagen, erklärt Raschi 1. M. 15, 10 und 5. M. 29, 10 ganz sachgemäss und einwandfrei mit dem Hinweis auf Jirmijabu 34, 18. Die Redensart מלא יד ein Amt übertragen, wörtlich ״die Hand füllen“, erklärt er 2. M. 28, 41 mit der Sitte der Investitur, womit er doch unzweifelhaft das Richtige getroffen hat. Wollte er etwa damit behaupten, dass überall, wo diese Redensart gebraucht wird, tatsächlich auch so verfahren wurde? Das ist doch wohl ausgeschlossen. Er erklärt damit nur die ursprüngliche Entstehung der Redensart. Nachdem sie einmal geprägt war, wurde sie dem Sprachgebrauch einverleibt und ging von Mund zu Mund, auch wenn ihre ursprüngliche Bedeutung bereits längst in Vergessenheit geraten war. Derartige Beispiele gibt es in jeder Sprache zu Hunderten. So ist es auch mit der Redensart אכל קרצין, die im Laufe der Zeit die Bedeutung ״verleumden‘4 angenommen hat und es ist eine auffallende Frage des Ramban, wozu Onkelos diesen törichten Brauch hier erwähnt Nicht einen Brauch erwähnt er, er bedient sich nur einer zu seiner Zeit allgemein üblichen Redensart. Doch auf diese Frage wollen wir weiterhin noch zurückkommen. Unbefriedigend ist nach Raschi die Erklärung des Wortes קיצץJ die Gebärdensprache des Zwischenträgers und Verleumders soll nach ihm damit bezeichnet werden. Auf diese das Verbum אכל anzuwenden, klingt wenig glaubhaft. im Jahrbuch VIII, S. 4 ff. habe ich nachgewiesen, dass in der 11. Schrift und noch mehr im nach biblischen Schrifttum doppelsinnige Ausdrücke und Redensarten — d. h. solche, die in ihrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.