Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 308)
- Language
- German
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257 zerstören liess, glaubte er die jüdische Diaspora ins Herz getroffen zu haben, und erwartete nach einer gewissen Zeit die Auflösung des Volkskörpers. Jedoch die Rechnung erwies sich als falsch. Man sah nicht nur staunend, dass der Lebensnerv dieses merkwürdigen Volkes in seinem Religionsgesetze zu suchen war, sondern auch, dass Stadt und Stätte des zerstörten Tempels nach wie vor der Mittelpunkt des überall wohnenden Volkes, Gegenstand seiner Sehnsucht und Hoönung geblieben waren. Als Hadrian das Volk versöhnen und gewinnen wollte, versprach er ihm die Wiedererbauung seines Heiligtums. Dann als er sein Wort brach, genügte es ihm nicht, alles beim Alten zu belassen, es sollte jetzt auch die blosse Stätte des Heiligtums dadurch, dass man auf ihr einen Götzentempel errichtete, dauernd entweiht werden, und zugleich der heissgeliebte Name Jerusalem aufhören, um unter einem neuen Namen, der zugleich an den Unterdrücker und an den Götzen erinnerte, vergessen zu werden. Wir sehen die gleichen Tatsachen, Verbot des Religionsgesetzes und Entweihung des Heiligtums, durch welche Antiochus Epiphanes einst das in politischen Dingen überaus geduldige Volk zur Empörung getrieben, und diese konnten auch unter dem römischen Imperator keine andere Folge haben. *־ Dem verzweifelten Volk blieb nichts anderes übrig, als mit den Waffen gegen einen übermächtigen Feind sein Heiligstes, die Bedingung seiner Existenz, zu verteidigen. Die meisten Geschichtsschreiber sehen in dem Kriege der Juden gegen Hadrian eine nationale und politische Erhebung. Die furchtbaren ReligionsVerfolgungen, welche die Besiegten nach der Zerstörung Bettirs von den Römern erdulden mussten, ziehen ihren Blick von den religionsfeindlichen Massnahmen ab, die übereinstimmend alle Quellen dem Ausbruch des Krieges vorausgehen lassen. Die spärlichen römischen Quellen kennen nur religiöse Motive für den Krieg. Dio Cassius 69, 12 schreibt: ״Dass er aber an die Stelle der zerstörten Stadt Jerusalem eine andere aufbauen liess, die er Aelia Capitoliua nannte, und an der Stelle, wo der Tempel des Gottes stand, einen anderen Tempel für den Juppiter aufführen liess, erregte einen ebenso gefährlichen als langwierigen Krieg. Die^Juden hielten es nämlich für einen Greuel, dass Aus- Jahrb. J, L, 6. Xm. 17