Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 307)
- Language
- German
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256 erfüllt. Papyrusfragmente zeigen ihn uns als Richter, der ein Ohr für die Klagen der unter seinem Vorgänger in Alexandria verfolgten Juden hat und ihre vornehmsten Bedrücker mit schweren Strafen belegt. Da tritt zu dem Ehrgeiz des wankelmütigen Fürsten, sich durch Friedensliebe und Versöhnlichkeit auszuzeichnen, der Wunsch nach dem Namen eines Gönners und Förderers der Wissenschaft. Es war dieses in der damaligen Welt nur durch freundliche Gesinnung für die Griechen zu erreichen. Sind aber einmal die Griechen die umworbenen Freunde des Kaisers geworden, so sind die Juden um ihre Hoffnungen betrogen. Seit Herodes zeigen sich die Griechen des Orients immer wieder als die unversöhnlichen Feinde des jüdischen Volkes. Die Samaritaner des Midrasch Bereschit Rabba 64, die mit den Worten und Gründen der alten Kutäer aus Serubabels Tagen die Wiedererbauung des Heiligtums und seiner Stadt hindern, sind Griechen, welche hier Kutäer genannt werden, weil damals der Landstrich von Samarien von Griechen bevölkert war, die, als die nächsten Nachbarn, unter der Schaar der Feinde am deutlichsten erkennbar sind. Es ergab sich nun aus der politischen Situation, dass Hadrian nicht aufhören konnte, der Freund der Juden zu sein, ohne zugleich ihr ärgster Feind zu werden. Die Juden Palästinas waren in dem halben Jahrhundert nach der Zerstörung des Tempels durch die weisen und umsichtigen Massnahmen der Gelehrten der Hochschule wieder erstarkt. Es gab zwei Wege, dieses Volk, das im Brennpunkt des römischen Orients seinen Wohnsitz hatte, ungefährlich zu machen. Man konnte seine Freundschaft gewinnen, indem man die schlimmste Wunde heilte, die man ihnen geschlagen, und die Wiedererbauung des Tempels gestattete. Es hätte darin noch nicht einmal eine Bevorzugung gegenüber anderen unterworfenen Völkern gelegen; denn ausser den Juden hatte man keinem anderen Volke seinen Tempel zerstört und genommen. Als die Griechen den Tempelbau durch Intriguen hinderten, blieb nichts anderes übrig, als die Eigenart dieses gewaltigen Volkes verschwinden zu lassen, in erster Linie, indem man ihm die Ausführung gerade derjenigen Gesetze verbot, welche Unterscheidungsmerkmale zwischen ihm und anderen Völkern waren. In Verbindung damit ging man einen grossen Schritt weiter als Titus. Als dieser im Jahre 70 den Tempel