Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 306)
- Language
- German
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255 Der jüdische Krieg gegen Hadrian nach dem Dorot Harischonim. Von Rabbiner Dr, Bondi in Mainz. I. Über die Dauer des Krieges, der seinen Namen von der Festung Bettir hat, war bis jetzt die Wahrheit unbekannt. Dunkel herrschte über seine Ursachen, ebenso wie man keine richtige Auffassung hatte von den für das jüdische Volk so verhängnisvollen Entwicklungen, die seine Folgen waren. Der vor Jahresfrist erschienene, hinterlassene Band der Forschungen des Meisters R. Isaak Halevy gibt uns für diese schicksalsschweren Ereignisse das helle Licht geschichtlicher Kenntnis. Hadrian gehört zu den Monarchen, die in ihren Regierungsgrundsätzen schwankend und wechselnd sind. Als er den Thron bestieg, wollte er, aus welchen Gründen immer, als Friedensfürst erscheinen. Roms Bürger sowohl, als die unterworfenen Völker sollten nach dieser Seite hin sein Lob verkünden. In bewusstem Gegensatz zu den Bestrebungen seines Vorgängers Trajan gab er die Unternehmungen gegen die Parther auf, und so schien es auch in der ersten Zeit seiner Regierung, als sollte das von Trajan gehasste und vielfach verfolgte jüdische Volk, sich in der kaiserliehen Gnade sonnend, nach schweren Leiden Erholung finden. Der Midrasch Bereschit Rabba hat uns die Tatsache bewahrt, dass Hadrian den Juden die Wiedererbauung ihres Tempels und ihrer Stadt in Aussicht stellte. In den vielen Unterhaltungen mit dem grossen Führer der Juden, Rabbi Josua, sehen wir Hadrian als Statthalter Syriens vor seiner Kaiserzeit wie auch wohl kurz nach der Thronbesteigung von freundlicher Gesinnung gegen die Juden v